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Abbas Kiarostami gestorben

05.07.2016

Im Alter von 76 Jahren ist der iranische Filmemacher in Paris gestorben.

Am 4. Juli ist in Paris der iranische Filmemacher Abbas Kiarostami den Folgen eines ärztlichen Eingriffs in Teheran erlegen. Sein Name stand lange Zeit für das iranische Kino, das er mit seiner poesievollen Erzählkunst geprägt hat. Kiarostami gehörte aber, weit über seine Heimat hinaus, zu den Grossen des Autorenfilms.

Abbas Kiarostami wurde am 22. Juni 1940 in Teheran geboren. Die Filme, die er noch in seiner Heimat realisiert hat, sind immer ausgeprägter zu Fahrten geworden, zum Suchen in der Landschaft, zum Abtasten von Wirklichkeit. Er thematisierte dabei das Filmen selber immer mit, stellte Fragen nach Authentizität, nach Wirklichkeit und Abbild, nach Kommunikation und wie das eine das andere beeinflusst. Gleichzeitig dokumentierte Kiarostami die Landschaft seiner iranischen Heimat, die er nach unfassbaren Zensureingriffen verlassen hat.

Der Filmemacher zählte zu den grossen Vertretern des Autorenkinos und erhielt 1997 die Fellini-Medaille für sein Filmschaffen für Frieden, Freiheit und Toleranz. So richtig entdeckt hat ihn der Westen mit dem Film Wo ist das Haus meines Freundes, den David Streiff 1989 in Locarno präsentierte, wo Kiarostami unter anderem einen Bronzenen Leoparden mit nach Hause nehmen konnte. trigon-film brachte  Und das Leben geht weiter (1992) heraus, den Besuch am Ort des vorherigen Films, an den Kiarostami weitere Male zurückkehren sollte, am vollendetsten sicher in «Quer durch den Olivenhain» (1994) mit der Auflösung von Wirklichkeit und Fiktion in der erzählerischen Betrachtung eines Liebespaars.

1999 war Abbas Kiarostami an der Biennale in Venedig für Wohin der Wind uns trägt mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden. Der Filmemacher zeigt uns eine Landschaft und lässt die Stimmen von Menschen vernehmen, die hier auf der Suche nach dem Weg sind. Er selber beschrieb den Inhalt seines Filmes damals in Venedig kurz: «Einige Leute aus Teheran kommen für einen kurzen Aufenthalt in Siah Dareh an, einem Dorf in iranisch Kurdistan. Die Einwohner kennen den Grund ihres Aufenthalts nicht. Die Fremden bewegen sich vor allem in der Gegend des alten Friedhofs und lassen die Einheimischen glauben, sie würden nach einem Schatz suchen. Sie verlassen das Dorf schliesslich, ohne den Eindruck zu hinterlassen, dass sie gefunden hätten, was sie suchten.»

Der Weg der Erzählung war ihr Ziel, und  Kiarostami war darin ein Meister. Wie wenige verstand er es, Wege zu beschreiben, die Menschen nehmen, zu Fuss beispielsweise durch ein kurdisches Dorf. Und während er seinen Figuren durch die verzweigten Gassen folgts, erzählte er uns ganz nebenbei und unausgesprochen die Geschichte des Dorfes, legte er das soziale Gefüge offen, zeigte er einen in sich geschlossenen Kosmos. Der Filmemacher hat selber viel fotografiert und fotografisch erzählt, er schrieb Gedichte und hat dort wie in seinem Kino verdichtet. Seine Filme haben die Reinheit von Lyrik, eigentlich nimmt er uns in ihnen einfach mit auf in ein Stück Lauf der Zeit. (wal.)

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