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Berlinale-Gewinner in Knast?

04.03.2020

Undank ist der Mullahs Lohn

Den Goldenen Bären durfte der iranische Regisseur Mohammad Rasoulof nicht selber entgegennehmen. Die Mullahs verweigerten ihrem gefeierten Künstler die Ausreise. Nun wollen sie ihn, jüngsten Medienberichten zufolge, sogar ins Gefängnis stecken. Eine eigene Meinung und ein eigenes Profil sind beim Regime in Teheran unerwünscht. Wie Anwalt Nasser Sarafschan gegenüber dem britischen Guardian sagte, sei ein Haftbefehl erlassen worden, wobei Rasoulof dagegen Berufung einlegen wird, unter anderem mit Verweis auf das Coronavirus, das im Iran offiziell bestätigt bereits an die 100 Tote gefordert hat - die wahren Zahlen dürften deutlisch höher liegen. Jedenfalls haben die Behörden rund 54'000 Häftlinge in Hafturlaub geschickt, aus Furcht, dass sich das Virus in den Knästen verbreiten könnte.

Mohammad Rasoulof war bereits 2011 festgenommen worden unter dem Vorwurf der Propaganda und zunächst mit 6 Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot belegt worden, was dann wieder aufgehoben wurde. Zum Abschluss der Berlinale hatte Rasoulofs Tochter Baran, die im Film die Rolle der Darya spielt, den Goldenen Bären für ihren Vater entgegen genommen. Das Publikum würdigte den Film bei seiner Vorführung wie bei der Preisverleihung mit einer Standing Ovation. In «There is No Evil» geht es unter anderem um die moralische Kraft und die Todesstrafe in einem despotischen Regime. Die Führer der Islamischen Republik erachten Rasoulofs Filme als Propaganda gegen das System. Staatliche Medien berichteten zunächst nicht darüber, auch die iranischen Behörden äusserten sich nicht dazu.

«There Is no Evil» wird im Verlauf dieses Jahres in die Schweizer Kinos gelangen. Der vorangegangene Film «A Man Of Integrity» war in Cannes 2017 mit dem Prix Un certain regard als bester Film ausgezeichnet worden. Nach der Rückkehr von der Premiere und der Preiskrönung an der Croisette vor drei Jahren wurde Rasoulof der Pass entzogen. «A Man Of Integrity» ist aktuell als Film der Woche im Streaming auf der Plattform filmingo.ch zu sehen. Die Mullahs mögen ihre besten Filmemacher ins Exil treiben (wie Asghar Farhadi («A Separation») oder den inzwischen verstorbenen Altmeister Abbas Kiarostami) oder in ihren menschlichen Grundfreiheiten behindern (wie Jafar Panahi («Three Faces») oder Mohammad Rasoulof). Ihre Filme sind da, sie sind herausragend und können bei uns gesehen werden. Sie haben grösstmögliche Beachtung verdient, nicht nur, weil die Filmemacher verfolgt, schikaniert und in ihrer Arbeit behindetert
werden: Die Filme ragen aus der Masse der Weltproduktion heraus und jedes Land könnte stolz sein, solche Filmschaffende zu haben.

Weitere Informationen zu A Man of Integrity - Lerd
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  • TRIGON 81 - Grain/Zama/Malaria/Una questione privata/A Man of Integrity Magazin
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