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Goldener Bär 2020

29.02.2020

Mohammad Rasoulof gewinnt die 70. Berlinale hochverdient.

Die Preise der 70. Berlinale sind verliehen; wir freuen uns und gratulieren den Filmschaffenden und ihren Teams sowie der Jury zu ihrem weisen Entscheid:

Sheytan vojud nadarad (There Is No Evil) von Mohammad Rasoulof, Iran

wird als Bester Film 2020 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Jurypräsident Jeremy Irons lobte den Film in einem engagierten Speach unter anderem auch dafür, dass er «Fragen über unsere Verantwortung und Entscheidungen im Leben stellt».

Zudem erhält er den Preis der ökumenischen Jury und den Gilde Filmpreis der KinobetreiberInnen mit der Begründung:

«Der Film war der für uns überraschendste und kurzweiligste Film des diesjährigen Wettbewerbs. Er erfüllt was wir im Kino lieben: Kraftvoll, emotional und zutiefst menschlich erzählt uns der Film Geschichten, die uns zeigen, was einen Menschen ausmachen und sensibilisiert uns, unser Leben in dieser Welt zu reflektieren. Politisch und ethisch weitet der Film den Blick in eine uns fremde Welt. Herausragend sind die Darstellungen der SchauspielerInnen, die trotz der Repressalien des Regimes stets nach ihrem Glück und Freiheit suchen. Mit Freude verleihen wir den GILDE-Preis für den besten Film im Wettbewerb der 70. Berliner Filmfestspiele an Mohammad Rasoulof und das gesamte Filmteam für ihren Film Sheytan vojud nadarad.»

Der engagierte Filmemacher kann seine Preise nicht selber entgegennehmen - das Regime im Iran verweigert Mohammad Rasoulof die Ausreise und unterstreicht damit die Dringlichkeit seines Films. Seine Tochter Baran nahm den Preis für ihn entgegen, "überglücklich und sehr traurig", weil er nicht hier sein kann. Der Produzent Kaveh Farnam hielt eine bewegende Rede. «Es gibt keine Mauern, die Ideen, den Vorstellungskraft oder die Liebe aufhalten können. Nur die Diktatoren machen sich durch die Mauern kleiner und kleiner.»


Grosse Freude haben wir auch an einem weiteren Film, der in einer Nebensektion lief:

Los Lobos (The Wolves) von Samuel Kishi Leopo, Mexiko

Der unabhängige Friedensfilmpreis prämiert jährlich Filme, die durch eine eindringliche Friedensbotschaft und ästhetische Umsetzung des Filmthemas überzeugen. Die Jury schreibt:

«Aus der Perspektive von zwei Kindern, dem achtjährigen Max und seinem fünfjährigen Bruder Leo, erzählt Samuel Kishi Leopos autobiografisch inspirierter Film Los Lobos eine Geschichte von Armut, Heimatverlust und Migration. Das Chaos, in das die Familie durch den Länderwechsel gerät, ordnet die Mutter mit sieben Regeln über das Zusammenleben. Regel 7 lautet: Nach jedem Streit umarmen! Am Ende sind es die Kinder, die auf diesen friedenspolitischen Imperativ bestehen. Der sensibel und zärtlich erzählte Film schlägt sich radikal auf die Seite der Menschlichkeit. Hier sprechen Kinder zu Kindern und auch die Erwachsenen können nicht anders, als ihnen zuzuhören. Poetisch, mutig und kämpferisch zeigt uns der Film was es bedeutet, in einem anderen Land eine neue Existenz aufzubauen.»

Grosser Preis der Internationalen Jury von Generation Kplus für den Besten Film, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk, die Jury begründet:

«Eine Mutter opfert den Augenblick für die Zukunft. Ihre Kinder sind in eine neue Welt geworfen, mit neuen Regeln auf einem Kassettenrekorder aufgenommen, die den Rahmen dieses Kammerspiels bilden. Zusammen mit den beiden Brüdern versuchen wir einen Weg zu finden, in Fantasie und Realität einen neuen Raum zu schaffen. Wie Kind sein, in einer Welt mit verschlossener Tür? In jedem Moment dieses einzigartigen Films fühlen wir, was die Jungs fühlen. Wir sind mit ihnen dort, zusammengekauert und eingesperrt auf beengtem Raum, in einer dreckigen Unterkunft mit miefendem Teppich. Wir möchten ausbrechen. Wir sind mit ihnen dort, aufgehoben in der Hoffnung, bald wieder eine Kindheit zu haben – bald nach Disneyland zu fahren. Wir freuen uns, diesen Langfilm für seinen sehr speziellen und kreativen Zugang zu dieser Erzählung mit diesem wichtigen Preis auszuzeichnen.»

Weitere Informationen zu Los lobos
Weitere Informationen zu There Is No Evil