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Preisregen in Cannes

25.05.2019

ATLANTIQUE, EURIDICE GUSMAO und NUESTRAS MADRES in Cannes ausgezeichnet

Sylvester Stallone kam die Ehre zu, den zweitwichtigsten Preis, der am Filmfestival von Cannes vergeben wird, zu überreichen. Der Grand Prix du Jury ging im Auftrag der Internationalen Jury unter dem Vorsitz von Alejandro Gonzalez Iñarritu an die Frankosenegalesin Mati Diop für ihren grossartigen Erstling ATLANTIQUE. «J’en reviens pas, c’est un peu fou ce que vous avez fait», meinte die Filmemacherin, «je suis ici avec vous et en même temps là-bas, à Dakar». Die Tochter des Musikers Wassis Diop und Nichte des Altmeisters Djibril Diop Mambety (Touki Bouki, Hyènes) stammt aus einer Künstlerfamilie und war bereits mit ihrem mittellangen Film MILLE SOLEILS aufgefallen sowie einem Kurzfilm, der ATLANTIQUES heisst. Der jetzt ausgezeichnete Spielfilm ATLANTIQUE war der erste Film aus dem Senegal, der es seit dem legendären HYÈNES in den Wettbwerb an der Croisette geschafft hat - allein das galt schon als Auszeichnung. Die FAZ frohlockte: «Ihr wunderbar poetischer Film, in dem sich verschiedene Erzähl- und Glaubenstraditionen kreuzen, sei jedem empfohlen, der meint, er müsse für Verständnis der Sorgen von wohlversorgten Menschen in Europa werben.»

Der brasilianische Spielfilm «A vida invisível de Eurídice Gusmão» (Das unsichtbare Leben der Eurídice Gusmão) von Karim Aïnouz wurde in Cannes unter 18 Filmen als bester Film der Parallelsektion mit dem Prix un Certain regard ausgezeichnet. Der Jury unter dem Vorsitz der libanesischen Filmemacherin Nadine Labaki (Capernaum) gehörten die französische Schauspielerin Marina Foïs, die deutsche Produzentin Nurhan Sekerci-Porst und die Filmemacher Lisandro Alonso (Argentinien) und Lukas Dhont (Belgien) an. Die FAZ schrieb bereits davor, dass das Kinopublikum sich neu orientieren müsste und zurückfinden in die Säle, wo herausragende Filme zu sehen sind: «Dabei müssten die Leute in einen Film wie den brasilianischen „A vida invisível de Eurídice Gusmão“ von Karim Aïnouz stürmen. Es war einer der stärksten in der Nebenreihe „Un certain regard“ – ein Film über zwei Schwestern, jede rebellisch auf ihre Weise, die sich in den späten Fünfzigern aus den Augen verlieren. Ein Film, der unsichtbare Biographien sichtbar macht (inspiriert von dem gleichnamigen Roman von Martha Batalha) und überreich ist an sinnlichen Details, Gesten, Tragödien und neuen Heimaten.» Der Filmemacher selber meinte bei der Preisverleihung mit Blick auf die traurige politische Situation: «Ich bin sehr stolz darauf, Brasilien zu vertreten. Wir erleben jetzt in Brasilien etwas, was sehr hart ist und mit Intoleranz zu tun hat.» - trigon-film wird das ausgezeichnete Werk im Winter in die Schweizer Kinos bringen und freut sich mit dem Filmteam über die Auszeichnung.

Aus Guatemala schaffte es der Spielfilm NUESTRAS MADRES von César Díaz in die Semaine de la critique, die kleinse Nebensektion am grossen Festival von Cannes. Dort gibt es wenige Preise zu gewinnen, aber einer ist besonders begehrt, um ihn ringen alle Erstlinge, die in einer der Sektionen gezeigt werden. Egal, ob ein Film im Hauptwettberb um die Goldene Palme steht, in der offiziellen Parallelsektion Un certain regard, in der Quinzaine des réalisateurs oder eben der Semaine de la critique: Wenn es das Erstlingswerk einer Filmemacherin, eines Filmemachers ist, dann kann es mit der Caméra d'Or ausgezeichnet werden, dem Preis für das beste Debüt. Der Kambodschaner Rithy Panh stand heuer der Jury vor. Und ausgezeichnet hat sie eine Perle aus dem Andenland, den Müttern der Welt gewidmet, zutiefst berührend.

Last but not least: Es ist der letzte Teil seiner Trilogie zu Chile und der Natur, die Patricio Guzmán in Cannes in Weltpremiere vorstellen konnte: LA CORDILLERA DE LOS SUEÑOS. Am Ende des Festivals wurde der Film als bester Dokumentarfilm in der Selektion mit dem Golden Eye ausgezeichnet, zusammen mit FOR SAMA von Waad al-Khateab und Edward Watts. Nach der Wüste und dem Wasser widmet sich Guzmán in seinem neuen Film der Kordillere, den Anden, die Chile auf der ganzen Länge durchziehen und die Geschichte mitgeprägt haben.  Patricio Guzmán selber schreibt: «In Chile, when the sun rises, it had to climb hills, walls and tops before reaching the last stone of the Cordillera. In my country, the Cordillera is everywhere. But for the Chilean citizens, it is an unknown territory. After going North for Nostalgia for the Light and South for The Pearl Button, I now feel ready to shoot this immense spine to explore its mysteries, powerful revelations of Chile’s past and present history.»

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