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Zwei Silberne Bären

16.02.2019

Gleich zwei Berlinale-Preise an Chinas SO LONG, MY SON

Am Samstagabend, 16. Februar, ging die 69. Berlinale mit der Preisverleihung im Berlinale-Palast zuende. Frankreich holte mit «Synonymes» Gold. Gleich zwei Silberne Bären gingen an den chinesischen Wettbewerbsbeitrag SO LONG, MY SON von Wang Xiaoshuai. Das Epos, das drei Jahrzehnte umspannt, wurde mit je einem Silbernen Bären für die beste Darstellerin (Yong Mei) und den besten Darsteller (Wang Jingchun) ausgezeichnet. «Grosses episches Kino!», hatte Andreas Kilb in der FAZ nach der Premiere notiert: «Wir haben uns daran gewöhnt, dass episches Kino von Sternenkreuzern, Superhelden und Schlachten in Mittelerde handelt; wir haben das Epische durch das Monströse ersetzt. Mit „So Long, My Son“ kehrt die epische Form ins Kino zurück. Drei Stunden lang sehen wir Menschen bei ihrem Alltag zu, ihrem Glück und ihren Verlusten, ihrem Ringen um Würde und um den Trost der Gemeinschaft, und während wir dem Spiel der Darsteller folgen, saugt sich unser Bildgedächtnis mit Partikeln der Wirklichkeit voll, in der die Geschichte spielt: ein Hafenort in der Provinz Fujian, ein Arbeiterviertel im Norden, ein Stausee, ein schmuckloses Grab auf einem Hügel über dem Häusermeer. Was Wang Xiaoshuais Film schafft, kann keine Streaming-Serie leisten, denn er entwirft in einem einzigen Atemzug eine Welt, wo die Serien nur hechelnd von Station zu Station hüpfen.»

Der Preis der Ökumenischen Jury 2019 ging an den mazedonischen Spielfilm GOD EXISTS, HER NAME IS PETRUNYA (Gospod postoi, imeto i’ e Petrunija) von Teona Strugar Mitevska. Die ökumenische Jury von SIGNIS und INTERFILM verleiht ihren Preis an das zeitgenössische Gleichnis für seine wagemutige Schilderung der Verwandlung einer entmachteten jungen Frau in eine unverblümte Verteidigerin der Rechte der Frau.» Der Film, der mit seiner Frauenpower zu den erfrischendsten Entdeckungen des Festivals gehörte, wurde zudem vom Gilde Filmpreis der Arthouse-Kinos ausgezeichnet. «Endlich!», hatte der Tagesspiegel nach der Premiere frohlockt, «es wurde höchste Zeit für einen Film von dieser Wucht. Danach lauter merkwürdig gelöste Gesichter voll stiller Freude.»

Ausser Konkurrenz in der Sektion Panorama lief ein aussergewöhnlicher Dokumentarfilm von Hassan Fazili, MIDNIGHT TRAVELER. Gedreht während der dreijährigen Flucht der Familie des Filmemachers aus Afghanistan mit drei Mobiltelefonen vermittelt der Film einen Eindruck dessen, was es heisst, sein Leben und das seiner Kinder in Sicherheit zu bringen und dabei dauernd abgeschoben zu werden. Fazilis Film erhielt eine Lobende Erwähnung der Friedensfilmpreis-Jury und schaffte es beim Publikumspreis auf den zweiten Platz.

Die ausgezeichneten Filme werden im Lauf des Jahres 2019 in die Schweizer Kinos gelangen, genauso Emin Alpers A TALE OF THREE SISTERS aus der Türkei, MONOS von Alejandro Landes, «ein rauschhafter Überlebenskampf zwischen Sturzflut und Moskitoschwarm» (Moviepilot) aus Kolumbien, und ÖNDÖG von Wang Quan'an. «Während uns die Moderne schon wieder abhanden zu kommen scheint, kann man sie in der Mongolei noch in ihrer ganzen Pracht bewundern», hat das Onlineportal Perlentaucher zu diesem prächtigen Film aus den immensen Weiten der Mongolei geschrieben.

Weitere Informationen zu A Tale of Three Sisters
Weitere Informationen zu God Exists, Her Name is Petrunya
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