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Madrigal

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Fernando Pérez
Madrigal (2007)
Suite Habana (2003)
La vida es silbar (1998)
Hello Hemingway (1990)
Madagascar (1990)

Kuba
Madrigal (2007)
Suite Habana (2003)
La vida es silbar (1998)
Tropicanita (1997)
Madagascar (1990)
Quiéreme y verá... (1990)
Hello Hemingway (1990)
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La muerte de un b... (1966)
Soy Cuba (1964)

Madrigal

Havanna, heute. Kubanisches Schweben zwischen den Wirklichkeiten.
Luisita ist eine Theaterbesucherin, die sich als Zuschauerin masslos in den schönen Schauspieler Javier verliebt. Dieser glaubt nicht mehr an die grosse Liebe und folgt Luisita nur in der Absicht, ihre Wohnung übernehmen zu können. Der Beginn ihrer Abenteuer ist vom Misstrauen Luisitas geprägt und von den Täuschungen Javiers. Dann entdeckt er die innere Schönheit von Luisita, verliebt sich abgrundtief und idealisiert sie. Die beiden suchen sich, sind von einander magisch angezogen und trauen den Dingen doch nicht ganz. Nach einem Zeitsprung erleben wir eine Liebesgeschichte, die 2020 angesiedelt ist und aus der Feder von Javier stammt. Was ist es, was dereinst zählen wird? Und wie finden wir aus heiklen Situationen heraus? Das ist magische lateinamerikanische Erzählkunst. Eine (über)sinnliche Erfahrung.

«Nicht alles ist das, als was es uns erscheint», lautet ein zentraler Satz in Madrigal. Der Filmemacher Fernando Pérez hat mit "La vida es silbar" einen der erfolgreichsten kubanischen Spielfilme gestaltet und mit "Suite Habana" seine sanfte Erzählkraft unterstrichen. In Madrigal tastet er die fliessenden Grenzen zwischen Wirklichkeit und Traum ab, also zwischen dem, was ist, und dem, was man sich denkt. Er löst die Grenzen auf und erzählt die Geschichte einer unmöglich erscheinenden und dann umso intensiver gelebten Liebe, gestaltet als Traumgedicht ans Theater und ans Leben.

Die Erzählwelt, in die uns der Kubaner entführt, mag ungewohnt sein, aber im Ungewohnten steckt oft grösserer Reichtum, schlummern die neuen Erfahrungen. Pérez ist ein von Kino und Film durchtränkter Mensch, der es liebt, über kleine und grosse Filme der Filmgeschichte zu diskutieren, den das Spiel mit den Wirklichkeiten interessiert und den der Raum der menschlichen Fantasie fasziniert. Auch und ganz besonders intensiv hier. Er weiss, dass wir in einem Kinosessel sitzen, wenn wir seinen Film betrachten, in einer Theatersituation also, in der unsere Wirklichkeit als Gegenüber eine Wirklichkeit hat, die real da ist, aber uns auch bewusst etwas vorspielt. Und es ist just diese Situation, über die er uns einsteigen lässt in seine Welt.

Es ist, rein äusserlich betrachtet, ein Ausschnitt von Welt, ein Stück Karibik, genauer Kuba, präziser Havanna und daselbst das Viertel am Malecón, der Uferpromenade, die wenig Vergleichbares kennt auf der Welt. In dieser kubanischen Wirklichkeit spielt sich ein Stück Leben ab, geht eine junge Frau, die nicht den gängigen Model-Vorstellungen entspricht, immer wieder ins Theater. Dort schaut sie sich ein Stück an, aber viel stärker interessiert sie ein Schauspieler, der da seine Rolle spielt. Und damit befinden wir uns schon mitten drin in dem fliessenden Bereich zwischen Sein und Schein: Liebt sie den Schauspieler oder die Figur oder gar beides? Ein Phänomen, das wir alle kennen, wenn es uns gegönnt ist, der Fantasie freien Lauf zu lassen und einzutauchen in Geschichten und Welten. Der Film Madrigal ist eine Seherfahrung, in die einzutauchen sich lohnt, weil Fernando Pérez uns vor Augen führt, wie sehr wir alle Spielende und Betrachtende sind, innen und aussen. Wie schwierig es häufig ist, das eine vom anderen zu trennen. Am Ende finden sich in seinem Film Bühne und Wirklichkeit in einem Bild des Aufbruchs, sind innen und aussen eins geworden.
Walter Ruggle



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