Una questione privata

Giorgio, Milton und Fulvia sind die drei Figuren, von denen uns Paolo und Vittorio Taviani in ihrem letzten gemeinsamen Film erzählen. Vittorio, der ältere der beiden, ist im April 2018 gestorben. Im Geist ihres Meisterwerks «La notte di San Lorenzo» blenden sie noch einmal zurück in die Endphase des Zweiten Weltkriegs. Partisan Giorgio kämpft um seinen Freund Milton, gleichzeitig sieht er ihn als Konkurrenten in der geteilten Leidenschaft für Fulvia, jene junge Frau, die sich längst in den Norden abgesetzt hat, aber in den Träumen der beiden präsent bleibt.

In Italien – und nicht nur dort – prägen rechte Populisten derzeit wieder die Politik. Davon, wohin das auch in ihrem Land geführt hat, haben die Gebrüder Paolo und Vittorio Taviani in Filmen erzählt, die das europäische Autorenkino mitgeprägt haben, allen voran in «La notte di San Lorenzo». Was schleichend sich etablierte, endete im Faschismus und im Zweiten Weltkrieg. Höchste Zeit, sich zu besinnen.

Es ist, als wollten die beiden daran erinnern, wenn sie in «Una questione privata» noch einmal in die Zeit des Widerstands gegen die Faschisten blenden. Sie tun es auf der Basis des 1963 erschienenen autobiografischen Romans von Beppe Fenoglio, der seinerseits zu Italiens Schlüsselwerken gehört. Zwei Freunde haben die selbe Frau angebetet und leben nun im Nebel einer Zeit, in der niemand sicher sein kann, ob der andere Freund oder Verräter ist. In einprägsamen Bildern und einem unaufgeregten Rhythmus zeigen Paolo und Vittorio Taviani, dass am Ende die Liebe und die Freundschaft zählen. Gleichzeitig führen sie vor Augen, wie das Gedankengut der Populisten in die Irre führt. Eine der verrücktesten Figuren im Film ist ein todgeweihter Gefangener, der in den Bergen mit einem Schlagzeug-Singsang durchdreht. «Una questione privata» wirkt melancholisch wie das Echo einer anderen Erzählzeit, in der sich Paolo und Vittorio Taviani vom Neorealismo entfernt haben, um eine filmische Wirklichkeit zu schaffen, die nach aussen nicht real sein muss, sich dafür umso stärker nach innen entfaltet.

Walter Ruggle

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Credits

Originaltitel
Una questione privata
Titel
Una questione privata
Regie
Paolo & Vittorio Taviani
Land
Italien
Jahr
2017
Drehbuch
Paolo & Vittorio Taviani nach dem Roman von Beppe Fenoglio, 1963
Montage
Roberto Perpignani
Musik
Giuliano Taviani, Carmelo Travia
Kamera
Simone Zampagni
Ton
Gianfranco Tortora
Kost├╝me
Lina Nerli Taviani ÔÇô Valentina Taviani
Ausstattung
Emita Frigato
Produktion
Stemal Entertainment - Ipotesi Cinema
Formate
Blu-ray, DCP
L├Ąnge
85 Min.
Sprache
Italienisch/d/f
Schauspieler:innen
Luca Marinelli (Milton), Lorenzo Richelmy (Giorgio), Valentina Bell├ę (Fulvia), Giulio Beranek (Ivan), Francesca Agostini (Bauer, paysan), Alessandro Sperduti (Polizist, policier), Andrea Di Maria (Gefangener, prisonnier)

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Pressestimmen

«Una questione privata ist sehr feinfühlige, ja nachgerade filigran austarierte Sturm- und Drang-Erzählkunst, die dem Überwältigenden im Drama der Emotion von Liebe raffiniert den Hof macht.» Thierry Frochaux, PS Magazin

«Es ist noch einmal alles da, was die Brüder Taviani zu Protagonisten des europäischen Autorenkinos gemacht hat.» Christina Tilmann, NZZ

«Der Antifaschismus ist zurück als ein Thema von grosser Aktualität.» Paolo Taviani

«Die Gebrüder Taviani erzählen in ihrem letzten gemeinsamen Film «Una questione privata» eine packende Geschichte von Mut und Widerstand, Freundschaft und Liebe in Kriegszeiten.» Babina Cathornen, kulturtipp

«Das Private ist politisch - beide Sphären lassen sich nicht trennen in diesem schönen, unspektakulär inszenierten Film.» Jochen Kürten, Deutsche Welle

«Eine Meditation über die Unbeständigkeit und das Chaos, das herrscht, wenn der Krieg nahezu vorbei ist.» Ken Eisner

«Wohin der Faschimus in Italien führte, wie er das Leben junger Menschen bestimmte, und wie diese sich gegen ihn wehrten!» art tv

«Taviani-Kino pur, das die Essenz von Beppe Fenoglio widerspiegelt.» La Stampa

«Intensiv und grosszügig. Die Taviani geben uns eine Lektion im Leben so schön wie die Hoffnung.» Télérama

«Une mosaïque d'histoires croisées soutenue par une mise en scène impeccable.» Écho Magazine