Magazin

Alle Artikel
Interview

«Eine Geschichte von Frauen, von MĂŒttern, von Töchtern»

Ein GesprÀch mit der tunesischen Filmemacherin Kaouther Ben Hania.

Wollten Sie nach La Belle et la Meute und L’homme qui a vendu sa peau wieder zur Form des Dokumentarfilms zurĂŒckkehren, mit der Sie bekannt wurden?

Dieses Projekt ist viel Ă€lter, nahm seinen Anfang schon 2016, als ich dabei war, Zaineb n’aime pas la neige zu beenden, einen Dokumentarfilm ĂŒber das Leben eines Teenagers, der sechs Jahre meines Lebens in Anspruch genommen hatte. Am Radio hörte ich Olfa von der tragischen Geschichte ihrer Töchter erzĂ€hlen, was mir nicht mehr aus dem Kopf ging. Auch hier ging es um die Geschichte einer Mutter mit Töchtern im Teenager-Alter. Ich war fasziniert von Olfa und sah in ihr eine wunderbare Filmfigur. Sie verkörperte eine Mutter mit all ihren WidersprĂŒchen und Zweifeln, ihren aufgewĂŒhlten Seiten auch. Die komplexe, schreckliche Geschichte liess mir keine Ruhe, und ich hatte wirklich Lust, ihr nachspĂŒren, sie zu verstehen, noch ohne Vorstellung, wie ich es anpacken wĂŒrde. Ich rief den Journalisten an, er gab mir ihre Nummer, damit ich sie treffen konnte.

Ist Olfas Geschichte in Tunesien bekannt?

Sagen wir so, sie war zum Zeitpunkt, an dem ich sie kontaktierte, einige Male im Radio und am Fernsehen zu hören und zu sehen gewesen. Aber man muss verstehen, dass derartige Ereignisse zu jener Zeit an der Tagesordnung waren. An Olfa interessierte mich im Speziellen, dass es sich um eine Geschichte von Frauen, von Mutter und Töchtern handelte.

Hatten Sie einen Spielfilm im Kopf?

Ich habe verschiedene Stadien durchlaufen. In einer ersten Phase dachte ich, sie mit ihren zwei verbliebenen Töchtern zu filmen, um die Abwesenheit der beiden andern zum Ausdruck zu bringen. Aber irgendwie stimmte etwas nicht. Wie konnten wir die Erinnerungen wiederbeleben, ohne sie zu beschönigen, sie zu verĂ€ndern, die Wahrheit zu verwĂ€ssern? Wie etwas herbeirufen, das stattgefunden hat und nicht mehr da ist? Wie kann man sich Jahre spĂ€ter der Wahrheit der eigenen Vergangenheit stellen? Am problematischsten war meiner Ansicht nach, dass Olfa eine Rolle spielte. Sobald ich die Kamera einschaltete, schlĂŒpfte sie in eine ganz spezifische Rolle. Ich musste die Dreharbeiten abbrechen, weil mir bewusst wurde, dass ich drauf und dran war, in die Falle zu tappen.

Ein Filmstill der Schauspielerin Hend Sabri
Die tunesisch-Ă€gyptische Darstellerin Hend Sabri

Welche Rolle spielte sie denn, und wie sah die Falle aus?

Mir fĂ€llt auf, dass man sich im Leben oft auf eine Art benimmt, die von Klischees beeinflusst ist, die man am TV oder in Zeitungen gesehen hat. Olfa war von den Medienleuten geformt worden. Mit grossem Talent lieferte sie die tragische Figur der in TrĂ€nen aufgelösten, hysterischen, von SchuldgefĂŒhlen geplagten Mutter ab. Die meisten Reportagen erlauben es nicht, unterschiedliche Facetten einer Persönlichkeit zu erforschen. Olfa ist aber so ĂŒberschwĂ€nglich, gespalten und komplex, dass es unmöglich war, nur eine Seite von ihr abzubilden. WidersprĂŒchen nachgehen, Erfahrungen nachspĂŒren und Empfindungen vertiefen braucht Zeit, eine Zeit, die Medienleute nicht haben. Es ist die Aufgabe des Kinos, diese Zonen auszuleuchten, die Vielschichtigkeit der menschlichen Seele. So fing ich an, den Film als therapeutisches Labor zu verstehen, in dem Erinnerungen wachgerufen werden.

War das der Moment, in dem Sie an Hend Sabri gedacht haben, um Olfa mit ihrem fiktionalen Double zu konfrontieren?

Als ich merkte, dass ich nichts Interessantes gefilmt hatte, konzentrierte ich mich erst voll auf The Man Who Sold His Skin. Die Geschichte um Olfa konnte lange ruhen, und ich wusste nicht einmal, ob ich sie je wieder aufnehmen wĂŒrde. Aber da ich es nicht mag, etwas anzufangen und nicht zu Ende zu bringen, habe ich sie wieder aufgegriffen. Ich hatte Abstand gewonnen, sah alles viel klarer. Ich wollte die beiden jĂŒngeren Töchtern Eya und Tayssir filmen, die ich wĂ€hrend der ersten AnlĂ€ufe kennengelernt hatte. WĂ€hrend des Lockdowns wurde mir bewusst, dass ich Olfa am besten auf den Boden der RealitĂ€t und zu ihren wahren Erinnerungen zurĂŒckholen konnte, indem ich einen Dokumentarfilm ĂŒber die Vorbereitungen zu einem Spielfilm drehte, der nie gedreht werden wĂŒrde. Aus all dem, was Olfa mir erzĂ€hlt hatte, entwickelte ich mit Eya und Tayssir ein Drehbuch ĂŒber die Vorbereitungen zu einem Film, bei dem Schauspielerinnen die echten Protagonistinnen kennenlernten, um deren Erlebnisse besser zu verkörpern.

Was wollten Sie mit diesem Vorgehen erreichen?

Ich wollte Olfa mit professionellen Schauspielerinnen konfrontieren, damit sie selber keine mehr spielen musste. Die Profis konnten Olfa und den MĂ€dchen helfen, zu ihrer inneren Wahrheit vorzudringen. Ich brauchte zwei Schauspielerinnen fĂŒr die verschwundenen Töchter und eine, um Olfa zu reflektieren, ihr zu helfen, die grossen Herausforderungen zu verstehen, vor die sie das Leben gestellt hatte. Mich interessierte nicht das Hervorholen der Erinnerungen, sondern der Austausch, der stattfand, um dorthin zu gelangen. Ich griff als Filmemacherin in den Film ein, um sie zu fĂŒhren, mich gemeinsam mit ihnen auf die Suche zu machen, wĂ€hrend Olfa die grossen Ereignisse ihres Lebens erzĂ€hlte und sie analysierte. Hend Sabri stellte ihr manchmal Fragen zu Details und ihren BeweggrĂŒnden und half ihr so, nĂŒchtern auf ihre Vergangenheit zurĂŒckzublicken. WĂ€ren Olfa und ich alleine gewesen, hĂ€tte sie mir wieder die gleiche alte Geschichte aufgetischt.

Hend Sabri ist ein Filmstar, hatte Olfa nicht die BefĂŒrchtung, sie könnte zu sehr in ihrem Schatten stehen?

Im Gegenteil. Sie dachte, dass man ihr endlich glauben wĂŒrde! Olfa vermutete, dass ihr keiner Gehör schenkte, weil sie eine unbedeutende Person ist. Die bekannte Schauspielerin wĂŒrde ihr die GlaubwĂŒrdigkeit geben, die sie brauchte, damit ihre Geschichte endlich ernst genommen wurde, und zwar mit Respekt. Man muss wissen, dass sie oft verleumdet und angefeindet wurde, als sie ihre Erlebnisse 2016 publik machte. Dies inspirierte mich, am Set viele Dinge auszuprobieren. Das Doppelspiel zwischen Olfa und Hend Sabri endet fast damit, dass man an der RealitĂ€t zweifelt, die man sieht.

Ein Filmstill von Olfa und ihrem Double Hend Sabri
Im Spiegel: Olfa und ihr Double Hend Sabri

War es Ihre Absicht, diesen Zweifel zu sÀhen?

Sie sind nicht der Einzige, der mich das fragt! Meine Vergangenheit als Autorin des Mockumentarys Le Challat de Tunis klebt an mir wie eine Etikette. Kiarostami sagte mal, dass es keine Rolle spielt zu wissen, ob etwas wahr ist oder falsch, man darf im Kino lĂŒgen, sofern man damit einer tieferliegenden Wahrheit auf die Spur kommt. Das ist es, was zĂ€hlt. FĂŒr mich ist es wesentlich, die Zuschauenden zu berĂŒhren, indem ich ihnen diese tiefere Wahrheit offenbare.

Es ist schwierig, nicht an Kiarostamis Close-up zu denken. Hatten Sie ihn beim Schreiben im Hinterkopf?

Zwei Filme haben meine Beziehung zum Kino grundsĂ€tzlich verĂ€ndert: Close-up und F for Fake von Orson Welles. Durch sie wurde mir bewusst, dass Kino ein Experimentierfeld mit unzĂ€hligen Spielvarianten öffnet. Ich wollte in meinem Film etwas Brecht'sches haben, das es ermöglichte, eine Szene zu spielen und gleichzeitig ĂŒber sie nachzudenken. Ich wollte, dass man zwischen echten Spielmomenten und Momenten, in denen man ĂŒber das Spiel nachdenkt, hin- und her wechseln kann. Die Grenze sollte fliessend sein, weil wir unser Leben mit Spielen verbringen, erst recht vor der Kamera. Olfa und ihre Töchter sind im wahren Leben grosse Schauspielerinnen. Ich wollte auch die Doppelnatur des Schauspielers, der Schauspielerin dokumentieren. Seit meinen AnfĂ€ngen taste ich mich gerne der feinen Linie zwischen Fiktion und Dokumentarfilm entlang – das zieht sich durch all meine Arbeiten.

Warum haben Sie sich entschieden, alles im selben Dekor zu filmen?

Im Kern ist der Film eine Introspektion, daher brauchte ich keine wechselnden Kulissen, sondern nur eine visuelle, stilistische Einheit. Wir fanden dieses heruntergekommene Hotel in Tunis, das wir in ein Filmstudio umwandelten. Ich wusste, dass das Publikum in der Lage sein wĂŒrde, die Verbindungen zu knĂŒpfen, ohne dass wir alles nachstellen mussten. Ich hatte das mit Kreide gezeichnete BĂŒhnenbild aus Dogville von Lars von Trier im Kopf, einem Film, der mich sehr fasziniert hat. Ich brauchte nur ein grosses Dekor, das es mir ermöglichte, einen Kontext anzudeuten wie den der Polizeistation. Da ich wusste, dass wir gemeinsam Themen erforschen, die intim, sensibel und schmerzhaft sein wĂŒrden, wollte ich auf die typischen EinschrĂ€nkungen verzichten, die es bei einem normalen Dreh gibt, und alles auf das Wesentliche reduzieren.

Waren sich die Beteiligten bewusst, dass sie sich auf eine intime und zuweilen schmerzhafte Erfahrung einlassen?

Als ich sie alle versammelt hatte, schlug ich ihnen vor, eine Art kollektive Verfassung zu schreiben, in der jede und jeder festhalten konnte, was sie oder er auf dem Filmset nicht mag. Es war wichtig, dass sich alle wohlfĂŒhlten, damit Olfa und die MĂ€dchen ihren Weg, ihre Entwicklung machen konnten. Was gibt es Fragileres, als Zeit mit diesen Frauen zu verbringen, die uns ihre IntimitĂ€t und die dĂŒsteren Winkel ihres Lebens offenbaren! Um ideale Bedingungen zu schaffen, haben wir ein vorwiegend weibliches Team zusammengestellt. Anders gesagt: Wir schufen die Voraussetzungen fĂŒr eine Therapie, die sowohl den Frauen wie auch dem Team zugute kam. Alles, was im Laufe des Drehs passierte, hat uns innerlich aufgewĂŒhlt. Auch ich als eigentlicher Kontrollfreak wurde von den Emotionen ĂŒberwĂ€ltigt und musste mich mehr als einmal zusammenreissen, um zu ĂŒberlegen, wo ich die Kamera hinstellen sollte. Trotz der komplexen Inszenierung haben wir alle gespĂŒrt, dass sich gerade etwas sehr Wertvolles vollzog.

Warum haben Sie auf einen einzigen Schauspieler gesetzt, um die wenigen MĂ€nnerrollen zu interpretieren?

Da muss ich nochmals auf Dogville zurĂŒckkommen und meinen Glauben an die FĂ€higkeit des Publikums, Verbindungen selbst herstellen zu können. Die Abwesenheit der MĂ€nner im Leben dieser Frauen ist auffallend. Sobald ein Mann in ihr Dasein tritt, weisen sie ihn ab. Die MĂ€nner können neben ihnen nicht existieren. Sie haben ein sehr komplexes VerhĂ€ltnis zur MĂ€nnlichkeit. Olfa hat zugleich etwas stark Weibliches und etwas stark MĂ€nnliches. Sie sagt ĂŒber ihren Mann, dass sie mĂ€nnlicher sei als er. Da sie und ihr Töchter alle MĂ€nner gewissermassen aus ihrem Kreis ausschliessen, ist es beinahe so, als wĂ€ren in einem Mann alle MĂ€nner vertreten, daher meine Idee, sie von einem Schauspieler verkörpern zu lassen.

«Les Filles d’Olfa» wurde in Cannes mit dem ƒil d’or fĂŒr den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Im Laufe einer speziell schwierigen Szene kann der Schauspieler nicht mehr und bittet Sie um ein GesprÀch off the records. Weshalb haben Sie diese Szene im Film gelassen?

Wie ich schon sagte, ist es auch ein Film ĂŒber den Schauspiel-Beruf. Ich fand es interessant zu zeigen, wie ein Schauspieler oder eine Schauspielerin von der knallharten RealitĂ€t ĂŒberwĂ€ltigt werden kann. Übrigens spricht Hend Sabri am Anfang des Films davon, dass ein Schauspieler lernt, sich zu schĂŒtzen, um nicht von der Figur eingenommen zu werden. Madj wusste nichts von der Arbeit, die wir im Vorfeld mit den MĂ€dchen gemacht hatten, insbesondere auch mit Psychologen. Seiner Meinung nach lag es nicht drin, ein solches GestĂ€ndnis vor der Kamera zu erhalten. Er war der Ansicht, diese intimen Worte dĂŒrften die Praxis eines Psychologen nicht verlassen. Wenn man mit solchen Einblicken ins Leben anderer Menschen konfrontiert wird, muss man sich tausend ethische Fragen stellen. Er dachte, ich hĂ€tte mir diese Fragen nicht gestellt, und wollte die Szene abbrechen. Von meiner Seite her musste ich seine Verwirrung zeigen und seine Zweifel als Schauspieler darlegen. Ausserdem endet die Szene mit Eyas Intervention, als sie ihr BedĂŒrfnis zum Ausdruck bringt, die Szene zu drehen. Ohne diese Reaktion hĂ€tte ich die Szene sicher nicht stehen lassen.

Die Resilienz der beiden Töchter ist phÀnomenal. Als der Film anfÀngt, ist man gleich einmal erstaunt, auf so strahlende junge Frauen zu treffen, man erwartet eher das Gegenteil.

Absolut. Sie sind einfach so. Sie erzĂ€hlen mir von einer Tragödie, und ich könnte mich tot lachen. Ich wollte den Kontrast zwischen dem, was man erzĂ€hlt, und der Art und Weise, wie man es erzĂ€hlt, herausstreichen. Das ist sehr wertvoll. Kino kann das aufzeigen. Ich glaube auch, dass ihnen der Film gut getan hat, weil er ihnen als therapeutische Erfahrung diente. Sie haben sehr viel gegeben, und ich glaube behaupten zu können, dass sie etwas zurĂŒckbekommen haben. Das sagen sie auch selbst. Der Film eröffnete ihnen die Möglichkeit, sich auszudrĂŒcken. Wenn sie bis dahin keine Stimme hatten, wurde ihnen nun ein offenes Ohr geboten. Als sie den Film sahen, war ihre erste Reaktion «Danke, du hast uns eine Stimme gegeben.»

Hatten Sie das Schlussbild schon beim Schreiben im Kopf?

Ich wusste, dass ich mit diesem bestimmten Bild aufhören wollte. Ausgehend von Passagen, die ich 2016/2017 gefilmt hatte, sowie zahlreichen Anekdoten, schrieb ich ein Drehbuch ohne Dialoge, das nur aus SchlĂŒsselszenen aus dem Leben der Familie bestand. Auch wenn dieses Drehbuch etwas verwirrend und nicht chronologisch war, wusste ich, dass ich mit dieser Einstellung aufhören wollte, weil sie, wie Olfa sagt, in erster Linie eine Reflexion ist ĂŒber die Weitergabe traumatischer Erfahrungen von der Mutter an die Töchter. Olfa hat ihren Kindern bestimmte Misshandlungen zugefĂŒgt, die sie selbst erlitten hatte. Die Mutter-Tochter-Übertragung von Traumata zieht sich durch den ganzen Film. Es ist die Geschichte eines Fluches, denn das kleine MĂ€dchen am Schluss wird ihre Mutter eines Tages zur Rechenschaft ziehen.

Woraus besteht dieser Fluch, der von Mutter zu Tochter weitergegeben wird?

Es ist eine rĂŒckwĂ€rtsgewandte Form des Patriarchats, die Frauen integrieren mĂŒssen, um zu ĂŒberleben. Sie haben keine Wahl. Olfa mag MĂ€nner nicht respektieren, dennoch verkörpert sie eine Form dieses Patriarchats. Wenn man wie sie aus einfachen VerhĂ€ltnissen stammt, hat ein junges MĂ€dchen nur eine begrenzte Wahl: Prostituierte sein oder Heilige. Es gibt keinen Platz fĂŒr Nuancen. Da sie schön sind – das ist ihr zweiter Fluch –, haben ihre Töchter die Heiligkeit gewĂ€hlt und sogar ĂŒber die Heiligkeit hinaus den Tod herbeigesehnt!

Durch die vier PortrĂ€ts, die Sie von diesen jungen Frauen zeichnen, ist es auch ein Film ĂŒber die Adoleszenz.

Ich wĂŒrde sagen, es ist hauptsĂ€chlich ein Film ĂŒber die Adoleszenz, ĂŒber die Kluft zwischen Kindheit und Erwachsensein, wo man plötzlich versucht, die Idee des Todes zu begreifen und manchmal sogar damit experimentiert, wie eines der MĂ€dchen zeigt. Aber wĂ€hrend man mit dem Tod spielt, sucht man gleichzeitig nach einem Lebensideal, macht sich Sorgen um sein soziales Umfeld und das Schicksal der gesamten Menschheit.

Ich denke, die MĂ€dchen waren auf der Suche nach etwas, was ihnen fehlte. Sie wollten die AutoritĂ€t von Olfa herausfordern, die fĂŒr sie immer sowohl Vater als auch Mutter verkörperte und ihre SexualitĂ€t unterdrĂŒcken wollte. Da sie dafĂŒr kein Werkzeug in der Hand hatten, wurden sie, wie eine von ihnen sagt, «von Gott gesteuert.» Das gab ihnen die Illusion einer Transzendenz, mit der sie der Welt ihre WĂŒnsche aufzwingen wollten. Ich glaube, der Film dokumentiert diese kuriosen Verbindungen zum Tod und zum Leben, die Teenager manchmal plötzlich manifestieren.

portrait Kaouther Ben Hania

Kaouther Ben Hania:

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Kaouther Ben Hania wurde 1977 in Sidi Bouzid in Zentraltunesien geboren. Sie absolvierte ein Studium in Wirtschaftswissenschaften in Tunesien und anschliessend in Filmdramaturgie an der FĂ©mis und der Sorbonne in Paris. Ihre Forschungsarbeit befasste sich mit eine


Weitere Artikel

PortrÀt der Filmemacherin Lila Avilés
Interview

«Der Film ist eine Hommage an die Liebe»

Ein GesprĂ€ch mit der Regisseurin Lila AvilĂ©s ĂŒber ihren Film «TĂłtem».

Mehr lesen
PortrÀt des Regisseurs Mohamed Kordofani
Interview

«Ich merkte, dass ein gewisser Rassismus in mir verankert war»

Ein Interview mit Regisseur Mohamed Kordofani ĂŒber seinen ersten Spielfilm «Goodbye Julia».

Mehr lesen
Bild der Regisseurin Amanda Nell Eu und ihrer Katze
Interview

«Ich interessiere mich sehr fĂŒr beste Freundinnen – es ist die komplizierteste Beziehung ĂŒberhaupt»

Die Filmemacherin Amanda Nell Eu spricht ĂŒber ihren Spielfilm «Tiger Stripes».

Mehr lesen