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Interview

«Mich faszinieren die Beziehungen zu allen Frauen in meinem Umfeld.»

Ein GesprĂ€ch mit Laura Baumeister ĂŒber ihr SpielfilmdebĂŒt «La hija de todas las rabias».

Wie ist ihr Wunsch gereift, Filme zu machen?

Ich studierte Soziologie an der UniversitĂ€t in Managua und begann noch wĂ€hrend des Studiums, fiktionale Geschichten zu schreiben, die veröffentlicht wurden. Eines Tages lud mich ein Freund ein, an einem Experimentalfilm-Workshop teilzunehmen, dort entdeckte ich die Wirkungskraft des visuellen ErzĂ€hlens. Mir wurde klar, dass es das war, was ich machen wollte: Filmemacherin werden, denn ich spĂŒrte sofort die Kraft, die dem Kino durch die VerschrĂ€nkung der KĂŒnste immanent ist. Nach dem Abschluss meines Soziologiestudiums konnte ich in Nicaragua keine Regieausbildung machen, weil es keine Filmschule gibt. Also bewarb ich mich beim Centro de CapacitaciĂłn CinematogrĂĄfica in Mexiko, wurde angenommen und bin hingezogen, mich dem Film zu widmen.

Wie haben Sie mit dem Schreiben von La hija de todas las rabias begonnen?

Ich hatte mich schon in meinen Kurzfilmen mit Beziehungen und Konflikten zwischen MĂŒttern und Töchtern beschĂ€ftigt. Es war eine meiner Obsessionen, das kann man so sagen. Ich wollte weiterhin Formen der Liebe erforschen, eine Beziehung, in der sich nicht nur ZĂ€rtlichkeit und FĂŒrsorge eingenistet hatten, sondern auch Gewalt und VernachlĂ€ssigung. Bei solchen Bindungen lagern sich die GefĂŒhle in Schichten ab. La hija de todas las rabias sollte mein erster Spielfilm werden und bedeutete meine RĂŒckkehr nach Nicaragua, nachdem ich all meine Kurzfilme in Mexiko realisiert hatte. Mir war klar, dass der Drehort entscheidend sein wĂŒrde, und ich setzte mich in einer ersten Phase sehr persönlich damit auseinander, welcher Ort fĂŒr mich der symboltrĂ€chtigste blieb nach sechs Jahren in Mexiko, in denen ich schon als Regisseurin zu arbeiten begonnen hatte, ohne Nicaragua je zu vergessen.

Filmstill La hija de todas las rabias
Maria am Ufer des XolotlĂĄn-Sees.

Ich erinnerte mich an La Chureca, die grösste offene MĂŒllhalde in Managua, ein sehr kontrastreicher Ort. Auf der einen Seite liegen Berge von AbfĂ€llen, auf der andern Seite erstreckt sich eine echte Bergkulisse ĂŒber der schönen KĂŒstenlandschaft am Ufer des grossen XolotlĂĄn-Sees. Dieser Gegensatz von Abfall und Natur war in mir haften geblieben, nachdem ich als junge Erwachsene im Rahmen eines Schulprogramms die Möglichkeit gehabt hatte, den Kindern vor Ort das Lesen und Schreiben beizubringen. Ich war damals sehr berĂŒhrt von den Menschen, die auf der Deponie lebten, vor allem von ihrer FĂ€higkeit und kreativen Kraft, sich jedes Objekt zu eigen zu machen und ihm einen neuen Zweck zu geben. Ich habe mir oft Gedanken gemacht ĂŒber ihre Lebensbedingungen und ihren kreativen Elan. So habe ich schliesslich beschlossen, diese Mutter-Tochter-Geschichte in La Chureca anzusiedeln.

La Chureca und der XolotlĂĄn-See sind stark verschmutzt. Ja, es ist ein ökologisches Desaster, das Gegenteil der Schweizer Seen, an deren Ufer man spazieren gehen kann. Die Stadt Managua hat einen Teil des Sees aufgegeben. Es gibt keinen Spazierweg, keine Segelclubs oder Restaurants, denn seit der Entstehung der Stadt im 18. Jahrhundert fliessen alle AbwĂ€sser in den See. Mit zunehmender Urbanisierung und Industrialisierung ist er immer verschmutzter geworden. Es ist kein Ort fĂŒr ein gemĂŒtliches Picknick oder ein erfrischendes Bad.

Filmstill La hija de todas las rabias
Die 11-JÀhrige sucht tÀglich nach Wiederverwertbarem.

Haben Sie vor Ort recherchiert?

NatĂŒrlich, ich bin ja auch Soziologin und habe in Sachen Recherche ein gutes RĂŒstzeug mitbekommen. Vor allem habe ich auch gelernt, wie ich mich einer Gemeinschaft nĂ€hern kann, von der ich nicht Teil bin. Bei meiner ersten Recherche galt es, Agenten zu finden, NGOs oder Menschen aus der lokalen Politik, an die ich mich wenden konnte, um mein Projekt zu beschreiben. Über sie fand ich den Kontakt zu den Leuten von La Chureca und reiste danach wĂ€hrend eines Jahres immer wieder hin.

GlĂŒcklicherweise sind die Menschen in Nicaragua sehr offen; sie fassen schnell Vertrauen. Mein Team und ich wurden rasch akzeptiert, und wir konnten nach Belieben kommen und gehen. Sie kannten unsere Fahrzeuge und empfingen uns jedes Mal mit offenen Armen. An diesem eigentĂŒmlichen Ort mit seinen speziellen Menschen konnte ich mich ausgiebig mit den Fragen beschĂ€ftigen, die mich interessieren, etwa zu IdentitĂ€t oder natĂŒrlichen und soziologischen Landschaften. Es ist nötig, dass wir uns damit auseinandersetzen, denn wir sind alle Kinder eines spaltenden, polarisierenden Systems, eines Denkens, das auf GegensĂ€tzen beruht: Revolution gegen Kapitalismus, Zivilisation gegen Barbarie, Militanz gegen Verrat und so fort. Diese enge Sichtweise hat mich nicht nur persönlich geprĂ€gt, ich sehe auch die Folgen fĂŒr mein Land. Ich wollte als Filmemacherin dazu beitragen, diese starren Linien zu verwischen und die Art, wie wir miteinander und mit der Umwelt umgehen, aufweichen.

Im Hintergrund des Films schwelt eine politische und soziale Krise. Um welche Krise geht es hier genau?

Es handelt sich nicht um eine konkrete Krise, vielmehr ist es eine Metapher, die auf drei Ebenen funktioniert: die Krise in der Beziehung von Mutter und Tochter, die etwas grössere im Haus und seiner Umgebung und schliesslich die viel grössere Krise, die das ganze Land erfasst hat. Ich wollte ein Universum schaffen, in dem diese drei Ebenen durcheinander kommen und ineinandergreifen wie bei einem Erdbeben. Ich bin 1984 wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs geboren und kenne Nicaragua nur als Land in der Krise. Ich erinnere mich daran, wie mein Vater, als ich noch klein war, einen Unterschlupf bastelte, um uns vor BrandanschlĂ€gen, Angriffen und Bomben zu schĂŒtzen. Aber ja, seit 2018 leiden wir unter einer besonders starken Krise, ich muss aber anfĂŒgen, dass das Drehbuch vorher entstanden ist, durch die aktuellen Unruhen wird die Metapher zugespitzt und wirkt akuter.

Der Trailer zum Film.

Was fasziniert Sie an der Mutter-Tochter-Beziehung?

Die Beziehungen zu allen Frauen in meinem Umfeld und natĂŒrlich die zu meiner Mutter haben meinen Weg stark beeinflusst, und ich habe die Rolle der Frau im Familienkreis und auf intimer Ebene in fast all meinen Arbeiten thematisiert: Was man von den Frauen erwartet, die psychosoziale Programmierung, die sie erben, und wie es das beeinflusst, was wir unter feminin verstehen. Bei SĂ€ugetieren ist die Beziehung zwischen Mutter und Kind die stĂ€rkste, die es gibt, sie ist das Tor, durch das wir zur Welt kommen, und wir sind lange von ihr abhĂ€ngig. Unser Überleben hĂ€ngt von ihr ab. Wie kann ein Kind ohne seine Mutter leben? Wie kann sie ihr Kind auf etwas so Schmerzhaftes wie ihr eigenes Verschwinden vorbereiten? Die BrĂŒchigkeit dieser Verbindung interessiert mich sehr. Ich habe oft den Eindruck, dass der Mensch viel widerstandsfĂ€higer ist, als man gemeinhin denkt, und deswegen wollte ich von einer extremen Situation in einem schwierigen Umfeld ausgehen, um zu sehen, wie eine Person allen Erwartungen zuwider lĂ€uft. Um diese Anlage und den Bruch zu beschreiben, liess ich mich wĂ€hrend des Schreibens von Filmen wie Nobody Knows von Hirokazu Kore-eda, Beasts of the Southern Wild von Benh Zeitlin oder The Florida Project von Sean Baker inspirieren.

Wie kamen Sie darauf, fantastische Elemente in den Film einzubauen?

In meinen vorherigen Filmen habe ich die innere Welt meiner Figuren immer auf eine sinnliche, aber reale Art und Weise erforscht, so wie man ein Glas mit sprudelndem Wasser aus der NĂ€he betrachten und die Bewegung der Blasen spĂŒren kann, ohne dass es fantastisch ist. In einem andern Film versuchte ich, mein inneres Selbst, meine TrĂ€ume und Fantasien zu beobachten. Ich glaube, jeder tut das, aber wir beziehen es nur selten mit ein, wenn wir unsere Wirklichkeit beschreiben. Davon ausgehend, dass die Tochter ein Kind ist, wurde mir klar, dass ich ihr Inneres ĂŒber die Fantasie erkunden musste, als wĂŒrde sie sich vorstellen, ihre Mutter verwandle sich in etwas, das in ihrer Welt weiterleben kann. Es ist nur aus ihrem Blickwinkel heraus möglich, ĂŒber die Tragödie, die Armut und den Mangel hinauszugehen.

Unsere Welt entsteht in unseren Köpfen und wenn man sich mal entscheidet, sich darauf einzulassen, merkt man, dass TrĂ€ume, Fantasien und Geschichten entscheidend daran Teil haben, wie wir uns mit der Umwelt und den andern verbinden. Als ich das Drehbuch schrieb und mich dem Innenleben meiner Figur nĂ€herte, spĂŒrte ich, dass ich dem MĂ€dchen in seiner RealitĂ€t etwas Luft verschaffen konnte. Das schien mir bereichernd und notwendig, um sie auf ihrer Reise und bei ihrem Überlebenskampf zu begleiten. Sie muss wissen, was ihrer Mutter widerfahren ist, und lehnt es ab, als Waisenkind oder verlassene Tochter gebrandmarkt zu werden. Also erfindet sie eine Geschichte, in der ihre Mutter einer Raubkatze Ă€hnelt. Tut ihr das weh, fĂŒhlt sie noch immer den Verlust? NatĂŒrlich, aber sie kann mit dieser Verletzung leben, weil sie sich durch die Vorstellung, dass die Mutter sich verwandelt hat und ein anderes Lebewesen ist, das immer noch zur Welt gehört, selbst heilen kann. Meiner Meinung nach ist das nicht nur schön, sondern es gibt ihr auch die Kraft, sich vom sozialen Druck zu befreien. Trotz ihres unsicheren Umfelds kann sie ihre Geschichte wĂ€hlen, die Geschichte, die sie sich selbst erzĂ€hlen wird, um sich einen neuen Weg zu bahnen. Letztendlich sind wir alle die Geschichten, die wir uns erzĂ€hlen, nicht wahr?

Filmstill La hija de todas las rabias
Maria und ihre Mutter Lilibeth.

Ohne Zweifel, aber warum so animalisch?

Das fragt mich mein Vater auch immer, ich mag es einfach. Ich bin in einer sehr lĂ€ndlichen Umgebung aufgewachsen und liebe die Natur. Aus irgendeinem Grund wurde ich so geboren, dass ich mit der natĂŒrlichen Welt um mich herum stark verbunden bin. Ich hatte das GefĂŒhl, dass ich mit Tieren und Pflanzen sprechen konnte, dass sie mehr als alles andere in mir waren. NatĂŒrlich sorgt ein solches GefĂŒhl in einer Welt, in der Tiere und Pflanzen als minderwertig angesehen werden, fĂŒr eine gewisse Frustration, weil man sich unverstanden fĂŒhlt. Ich möchte wirklich ein Kino machen, das ein breites Spektrum an IdentitĂ€ten miteinschliesst. Selbst wenn diese als skurril oder bizarr angesehen werden, sind sie fĂŒr mich alle gut, solange sie niemanden verletzen. Es ist nichts Schlimmes daran, sich vorzustellen, dass du ein MĂ€dchen bist, das sich in einen Hund verwandelt oder in die Tochter einer Katze. Wenn es dir hilft, wenn es dich befreit und das VerstĂ€ndis des Lebens fördert, warum nicht? Und es lassen sich viele Metaphern fĂŒr die Menschheit finden, wenn man das Tierische als Vehikel heranzieht.

Wie kompliziert war es, diesen Spielfilm in Nicaragua zu realisieren?

Es war eine riesige Herausforderung, in Nicaragua einen Spielfilm zu drehen, weil es keine Filmindustrie gibt, keine Location-Scouts oder Casting-Agenturen. Man kann nicht einmal irgendwo eine Kamera mieten. FĂŒr das Casting haben wir bei Null angefangen und rund 300 Kinder interviewt. Es war eine logistische Herausforderung in Bezug auf die Produktion. Die sozialen und politischen Spannungen sorgten fĂŒr zusĂ€tzliche Schwierigkeiten, weil rund 30 Crewmitglieder einreisen mussten. Aber es gab auch einen Lichtblick: das Novum. Der Film war etwas fĂŒr alle. Viele Leute wollten mitmachen, sie öffneten uns die TĂŒren und vermittelten uns Kontakte. Das erinnerte mich an mein Filmstudium und die Dokumentarfilme ĂŒber die erste Generation von Filmemacher:innen in Europa, wie die Menschen damals staunten und begeistert waren. In dieser Hinsicht gibt es eine gewisse Parallele.

Sie sind die erste nicaraguanische Filmemacherin, die einen Spielfilm in Nicaragua gedreht hat.

Ja, zumindest was die Fiktion betrifft. Zwei weitere Spielfilme wurden von einer französischen Filmemacherin realisiert (La Yuma und La pantalla desnuda von Florence Jaugey, verfĂŒgbar auf www.trigon-film.org). Aber ja, es ist der erste Spielfilm einer in Nicaragua geborenen Frau. Ich habe das GefĂŒhl, dass dies eine grosse Aussage oder vielleicht eine grosse Verantwortung ist, aber, um ehrlich zu sein, denke ich nicht wirklich darĂŒber nach.

Filmstill La hija de todas las rabias
Maria und ihr Freund Tadeo.

Werden wir in Zukunft mehr Filme aus Nicaragua sehen?

Das glaube ich nicht. Zur Zeit ist Nicaragua gelinde gesagt nicht in seiner besten Verfassung. Es ist schwer vorstellbar, dass sich das Kino in einem solchen Klima entwickeln kann. Es herrscht eine starke Renitenz gegenĂŒber der freien MeinungsĂ€usserung und der kĂŒnstlerischen Freiheit. Einige Kollegen werden weiterhin Sachen im oder ĂŒber das Ausland machen, aber das betrifft zumeist Dokumentarfilmprojekte. Ich selbst werde weiterhin Spielfilme drehen, allerdings in Mexiko, womit ich bereits begonnen habe, denn seit ich in Mexiko studierte, eröffnen sich mir viele Möglichkeiten. Mehrere Produktionsfirmen bieten mir an, vor Ort zu drehen. Ich erinnere mich, dass ich 2017 dachte, ich wĂŒrde spĂ€ter in Nicaragua Filme drehen, um meinen Wurzeln treu zu bleiben und vielleicht etwas auf den Weg zu bringen, aber es ist kompliziert und ich erwarte jetzt keine Welle nicaraguanischer Filme. Leider.

Wie haben Sie Ihre Darstellerinnen ausgewÀhlt?

Virginia, die die Rolle der Mutter spielt, ist Theaterschauspielerin. Ich lernte sie anlĂ€sslich eines Castings kennen und wusste vom ersten Moment an, dass sie Lilibeth sein wĂŒrde. Sie ist zwei Jahre vor dem Dreh zu uns gestossen und wir konnten eine Beziehung aufbauen. FĂŒr die Rolle der Maria war es etwas komplizierter. Ich organisierte zunĂ€chst ein Casting in einem Tanzstudio, bei dem ich ein MĂ€dchen fand. Doch dann kam die Pandemie, der Dreh wurde um elf Monate verschoben, und sie war in dieser Zeit so gewachsen, dass ich mich neu umsehen musste. Zum GlĂŒck hatte ich schon eine Liste mit 300 Kindern, mit denen wir Videos aufgenommen hatten. Aracely (Ara Alejandra Medal) war unter ihnen, und meine Kamerafrau Teresa Kuhn entdeckte sie, weil ihr ihr Gesicht gefiel und sie sich schon vorstellte, sie zu filmen. Ich bot Virginia fĂŒr ein gemeinsames Treffen auf, um zu sehen, wie sie sich verstanden und zusammen interagierten. Dort wurde mir schnell klar, dass Aracely Maria spielen wĂŒrde, weil sie eine spezifische Wut in sich trug. Man konnte ihren Zorn spĂŒren, einen gerechtfertigten, legitimen Zorn, nicht einen traurigen oder resignierten. Wir erkannten, dass sie ein ausserordentliches Potenzial hatte, nicht nur um die Rolle zu spielen, sondern auch deshalb, weil ihre persönliche Geschichte jene der Figur wiederspiegelte.

Wie sind Sie vorgegangen, um mit der jungen Laiendarstellerin zu arbeiten?

Aracely und ihre Familie leben in einer Situation, die der im Film beschriebenen nahekommt. Als wir drehten, konnte sie weder lesen noch schreiben, weil sie leider nicht zur Schule ging. Ich konnte ihr also das Drehbuch nicht aushĂ€ndigen, gleichzeitig war mir klar, dass dies auch nicht der richtige Weg wĂ€re, auch wenn das Script sehr klar war und keinen Raum fĂŒr Improvisation vorsah. So kam ich darauf, meine Freundin Diana Sedano zu bitten, nach Nicaragua zu kommen. Sie bildet in Mexiko Theaterschauspielende aus und ist im Film in der Rolle von Rosa zu sehen, die im Recycle-Unternehmen arbeitet.

Wir haben ihr eine Wohnung direkt ĂŒber der meinen gemietet, und wĂ€hrend sechs Wochen kam Arcely uns jeden Tag drei Stunden lang besuchen. So konnten wir sie gemeinsam coachen; sie hatte natĂŒrlich keine Ahnung, worauf sie sich einliess. Bevor wir mit dem Drehbuch zu arbeiten anfingen, machten wir Übungen, bei denen sie ihre GefĂŒhle einordnen lernte, denn sie erfasste nicht genau, was Wut war, was Trauer, Groll und all diese Dinge. Wir begannen also damit, ihr das Alphabet der Emotionen beizubringen, sind dann zum Drehbuch ĂŒbergegangen und sie hat sich als eine aussergewöhnliche Darstellerin entpuppt.

portrait Laura Baumeister

Laura Baumeister:

Laura Baumeister (*1983) ist eine nicaraguanische Filmregisseurin und Soziologin. Sie hat eine Reihe von Kurzfilmen inszeniert, darunter Isabel en el invierno, 2014, der fĂŒr die Kritikerwoche des Filmfestivals von Cannes ausgewĂ€hlt wurde, Fuerza Bruta, 2016 und Ombligo de agua, 2018.


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