El deshielo

von Manuela Martelli, Chile, 2026

Chile, 1992: Während die Eltern das Land an der Expo in Sevilla vertreten, verbringt Ines den Winter im Berghotel der Grosseltern. Unbekümmert mischt sich die Neunjährige unter Angestellte und Gäste. Sie freundet sich mit Hanna an, einem deutschen Skitalent, doch dann verschwindet die Jugendliche spurlos. Die Erwachsenen weichen aus, Ines sucht auf eigene Faust nach Antworten. Nach dem vielbeachteten Debüt 1976 inszeniert Manuela Martelli einen atmosphärischen Thriller über ein Land, das gerade erst aus der Diktatur auftaut. El deshielo feierte beim Filmfestival von Cannes Premiere und ist Chiles Oscarbeitrag 2027.

Nach dem Übergang zur Demokratie präsentiert sich Chile an der Weltausstellung als modernes Land des Aufbruchs und Unternehmergeists. Der Film hält das zum Auftakt mit einem starken Bild fest: Archivaufnahmen zeigen, wie ein Eisblock über den Atlantik nach Sevilla verschifft wird. Im Andenresort «Vulkanblick» verfolgt man die Szene am Fernsehen. Ines fühlt sich wohl unter ihren Grosseltern, Cousins und den Angestellten. Aufmerksam beobachtet sie abends das deutsche Skiteam, das sich hier auf die kommende Rennsaison vorbereitet. Besonders fasziniert ist sie von der 15-jährigen Hanna. Diese vertraut ihr an, wie sehr der Druck von Trainer und Mutter auf ihr lastet. Am nächsten Tag ist sie verschwunden. Die Polizei nimmt mit Freiwilligen die Suche auf, und Hannas Mutter Lina, eine ehemalige Eiskunstläuferin aus der DDR, reist an. Doch als Ines berichten will, was sie gesehen und gehört hat, fordert die Grossmutter sie eindringlich zum Schweigen auf.

Das feinmaschige Drehbuch legt Spuren zu mehreren Verdächtigen. Kameramann Benjamín Echazarreta (Una mujer fantástica) nimmt Gesichter, Fenster und Korridore ins Visier, lässt Schnee, Nebel und beschlagene Scheiben die Konturen verwischen und erzählt auf Augenhöhe mit der Neunjährigen. Dazu unheimliche Streicherklänge, die von Beginn an die geheimnisvolle Aura nähren. Wie schon in 1976 setzt sich Martelli mit den Nachwirkungen der Diktatur auseinander. Sie spiegelt sie in Hannas Mutter, die aus einem Land stammt, das es nicht mehr gibt. Ines verliert ihren unschuldigen Blick und begreift: Wer schweigt, trägt Mitschuld. Gleichzeitig gehört sie zu einer Generation, die sich nicht ewig damit abfinden wird, dass niemand etwas wissen will.

Festivals & Auszeichnungen

Festival de Cannes 2026: Un Certain Regard
Hamptons International Film Festival
Zurich Film Festival: Wettbewerb Spielfilm
Festival FILMAR en América Latina: Film d’ouverture
Academy Awards 2027: Chile’s Submission

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Credits

Originaltitel
El deshielo
Titel
El deshielo
Regie
Manuela Martelli
Land
Chile
Jahr
2026
Drehbuch
Manuela Martelli
Montage
Yibran Asuad
Musik
Maria Portugal
Kamera
Benjamin Echazarreta
Ton
Federico Gonzalez
Produktion
Ronda Cine, Cinema Inutile, Wood Producciones
Länge
108 Min.
Sprache
Spanisch/Deutsch/Englisch/d/f
Schauspieler:innen
Maya O’Rourke (Inès), Saskia Rosendahl (Lina), Maia Rae Domagala (Hanna), Jakub Gierszal (Alexander), Paulina Urrutia (Techa), Mauricio Pešutić (Ricardo)

Pro Material

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Pressestimmen

«Un film magistral et impressionnant, qui flirte parfois avec le surnaturel.» Les Inrocks

«In der Ruhe liegt bei diesem Film die Kraft.» Outnow, Yannick Bracher

«Une mécanique du suspense extrêmement bien huilée.» Positif

«Detektiv-Story und Mystery-Drama verschmelzen zu einem Quasi-Politthriller.» Movie Break

«Une chronique saisissante sur les non-dits.» Télérama

«The longer one thinks about even the most innocuous details, the more The Meltdown reveals itself as a carefully calibrated exploration of national identity.» The Playlist

«Dans ce thriller cotonneux à la mise en scène magistrale, la réalisatrice chilienne nous plonge avec force et grâce dans l’imaginaire de sa jeune héroïne, et signe l’un des plus remuants films récents sur l’enfance.» Marie Claire

«A slow-burn mystery set in Chile.» The Hollywood Reporter

«Avec ce drame aussi touchant que glaçant, Manuela Martelli tissue une allégorie subtile sur le poids du silence dans le Chili post-dictature.» Télé Loisirs

«A probing thriller that explores the costs and concessions of trying to move on from dictatorship.» IndieWire

«This atmospheric seconde feature uses a child’s loss of innocence as an allegory for Chile’s reckoning in the post-Pinochet era.» Screen Daily

«A film that deeply believes in the power of cinema and in the intelligence of its viewers.» Les Inrockuptibles

«Martelli is clearly a talented filmmaker, and her work here marks her as someone to watch going forward.» RogerEbert