What Time is it There? - Ni na bian ji dian

von Ming-liang Tsai, Taiwan, 2001
DVD

Die h├╝bsche Chinesin Shiang-Chyi ist in Taipeh auf der Suche nach einer Armbanduhr mit zwei verschiedenen Zifferbl├Ąttern. Sie ist auf dem Sprung nach Europa und m├Âchte eine Uhr, die ihr auch die Zeit von zu Hause angibt . Chyi trifft den jungen Strassenverk├Ąufer Hsiao Kang, der ein Modell hat, das ihr gefallen w├╝rde. Aber es ist ausgerechnet jene Uhr, die Hsiao Kang selber tr├Ągt. Er entschliesst sich, ihr die Uhr dennoch zu verkaufen, und lebt fortan in Gedanken an sie, so intensiv, dass er beginnt, alle Uhren in Taipeh auf Pariser Zeit umzustellen, um ihr n├Ąher zu sein. Gleichzeitig glaubt seine Mutter, die ┬źverhexten┬╗ Uhren seien ein Zeichen daf├╝r, dass ihr verstorbener Mann zur├╝ckkehrt.
Auch Chyi in Paris erlebt sonderliche Dinge in diesem stillen Filmgedicht ├╝ber die Zeit, die Gegenwart und die Absenz. Ein Film, der auf sonderbare stille Weise von einer weltumspannenden Harmonie k├╝ndet.Tsai Ming-Liang ist einer der ganz Grossen im taiwanesischen Kino, wobei er urspr├╝nglich aus Malaisia stammt. Er hat eine Reihe von geradezu meditativen Filmen gestaltet, darunter das mit dem Grossen Preis von Venedig ausgezeichneten Endzeitgem├Ąlde "The Hole". Die Zeit spielt in seinen Filmen immer wieder eine zentrale und elementare Rolle. Tsai Ming-Liang geh├Ârt zu jenen Autoren, die sehr bewusst mit dem Urmoment des Filmischen arbeiten, die uns die Zeit schauend fassbarer machen.
Dieses Mal inszeniert er eine parallele Geschichte, die von einer fast schon unscheinbaren Zufallsbegegnung ausgeht und von da aus zu einer Reflexion ├╝ber die Zeit ansetzt. Hier ein junger Mann, der in Taipeh lebt und sein Herz in Paris schlagen h├Ârt. Dort eine Frau, die ihre Heimat vor├╝bergehend verlassen hat und in der Ferne die Sehnsucht sp├╝rt und jenes wage Gef├╝hl, das uns beschleicht, wenn wir weit weg sind vom Gewohnten. Tsai Ming-Liang nimmt uns auf in seinen offenen Bildern, l├Ądt uns ein in seinen Gedankenraum und regt uns an, ├╝ber die Gegenwart und die Abwesenheit nachzudenken. Oder ├╝ber die Gleichzeitigkeit des Anderen. In einer der sch├Ânsten Passagen des Films schaut sich der Junge in Taipeh Fran├žois Truffauts Erstling "Les quatre cents coups" an, und man hat das Gef├╝hl, dass da eine Seelenwanderung stattgefunden hat von der Truffaut-Figur Antoine Doinel zu Hsiao-Kang. Gleichzeitig trifft die junge Frau in Paris auf der Bank in einem Friedhof einen ├Ąlteren Mann, der sich Jean-Pierre nennt und ihr seine Telefonnummer gibt. Es ist Jean-Pierre L├ęaud, der in Truffauts Film 1959 den Jungen spielte. Wunderbar, wie da Zeiten, Orte und Epochen eins werden.
Walter Ruggle

Festivals & Auszeichnungen

Prix du Jury à un Technicien, Cannes 2001

Credits

Originaltitel
What Time is it There? - Ni na bian ji dian
Titel
What Time is it There? - Ni na bian ji dian
Regie
Ming-liang Tsai
Land
Taiwan
Jahr
2001
Drehbuch
Tsai, Ming-Liang, Yang Pi-Ying
Montage
Cheng Sheng-Chang
Kamera
Pierre Delhomme
Ton
Du Tuu-Chih
Ausstattung
Yip Kam Tim
Formate
35mm, DVD
L├Ąnge
115 Min.
Sprache
Mandarin, Franz├Âsisch/d/f
Schauspieler:innen
Yip Cecilia (Frau, die nach Paris reist), Lee Kang-Sheng (Hsiao-Kang), Chen Shiang-Chyi (Shiang-Chyi), Miao Tien (p├Ęre de Hsiao-Kang), Lu Yi-Ching (m├Ęre de Hsiao-Kang), Jean-Pierre L├ęaud (Jean-Pierre)

Pro Material

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