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3 Fragen an Cyril Aris
Der libanesische Drehbuchautor und Regisseur Cyril Aris über sein Spielfilmdebüt «A Sad and Beautiful World».
Der Libanon ist in letzter Zeit ständig in den Nachrichten, und das ist keine neue Entwicklung. Wie schaffen Sie es als Filmemacher aus einem Land, das sich in einer permanenten Krise zu befinden scheint, einen so leichtfüssigen Film mit komödiantischen Tönen und so positiven Figuren wie Nino zu machen?
Im Libanon finden wir trotz der Dramen, trotz der Tragödien immer einen Weg, zu lachen – auch über uns selbst. Ich glaube nicht, dass das Eskapismus ist oder ein Weg schauen vom Schmerz. Im Gegenteil: Es ist eine Art, ihn zu überleben, ohne von ihm erdrückt zu werden. Ich denke, diese Mischung ist einfach ein Spiegelbild des Libanon selbst. Ein Land zwischen den Extremen, das zwischen Kriegen, Krisen und Tragödien auf der einen und Phasen der Lebendigkeit und Schönheit auf der anderen Seite hin- und herpendelt. Und das Besondere am Libanon ist, dass diese beiden Register manchmal gleichzeitig existieren, denn der Humor wurde zu unserem verlässlichsten Werkzeug, um die Rückschläge, die Zusammenbrüche und das endlose Drama zu überstehen.
Auf das bekannte Genre der romantischen Komödie zurückzugreifen, es aber zu unterwandern und vor einem dramatischen Hintergrund anzusiedeln, transportiert also die Wahrnehmung meiner eigenen Gefühle gegen über meinem Land. Eine leidenschaftliche Verbundenheit, die sich immer wieder mit der Realität des Zustands des Landes und der Region konfrontiert sieht, was schliesslich zu einer Quelle des Leidens wird. Ich finde das zugleich traurig und schön (sad and beautiful): Wir leiden aus Liebe zu unserem Land. Was Nino betrifft, so entscheidet er sich für Hoffnung und Optimismus, selbst wenn es kaum Anhaltspunkte dafür gibt. Sein Optimismus ist nicht naiv; er ist die härtere Wahl. An einem Ort wie Beirut sind die Entscheidungen zu bleiben, ein Restaurant zu eröffnen und nach Schönheit zu suchen eine Form des Trotzes – und viele Menschen erkennen sich in Nino wieder.
Yasmina hingegen ist weniger hoffnungsvoll und fragt sich, ob man unter diesen Umständen Kinder in die Welt setzen sollte. Sind Sie selbst optimistisch für künftige Generationen im Libanon?
Anders als Nino entscheidet sich Yasmina für Klarsicht. Sie sieht die Gefahr deutlich und weigert sich, wegzuschauen. Ihr Pessimismus ist nicht kalt; er ist ein schützender Panzer. Ihr Pragmatismus entspringt einer tiefen Liebe und dem Wunsch, sich vor dem unausweichlichen Herzschmerz zu schützen.
Was Yasminas Frage betrifft, ob man Kinder in diese Welt setzen soll, so ist das tatsächlich die zentrale Frage des gesamten Films. Als ich anfing, das Drehbuch zu schreiben, wurde mir schnell klar, dass dies die unbeantwortbare Frage war, die ich zu ergründen versuchte – anhand zweier Figuren mit so unterschiedlichen Sichtweisen auf die Welt und auf ihr Land. Keine Generation ist verschont geblieben. Nicht die unserer Eltern, nicht unsere. Jedes Jahrzehnt bringt seinen Krieg mit sich, seinen Zusammenbruch, seine Migration. In diesem Sinne ist Yasminas Haltung nicht extrem. Sie ist logisch. Es ist eine universelle Haltung, die für die Millennials von heute recht typisch ist, die wenig Vertrauen in die Zukunft dieses Planeten haben. Und ein Kind in all das hineinzusetzen, erfordert entweder einen tiefen Akt des Glaubens oder einen tiefen Akt der Verleugnung.
Dennoch gibt es immer ein unerklärliches Gefühl von Hoffnung, oder vielmehr eine selbst auferlegte, illusorische Entscheidung, optimistisch sein zu wollen. Ist es Kompensation? Ist es Überlebensinstinkt? Am Ende wollte ich, dass beide Figuren das auf ihre eigene Weise verkörpern: Nino offen und trotzig, Yasmina heimlich und widerwillig. Und ich habe das Publikum selbst entscheiden lassen, wo es sich in diesem Dilemma verortet.
Wie geht die Filmindustrie mit der aktuellen Situation um – während wir sprechen, markiert Israels jüngster Krieg gegen den Libanon den 100. Tag. Sie haben bereits einen Film über das Filmemachen unter solch extremen Umständen gemacht: Hat sich seit Dancing on the Edge of a Volcano für die Filmschaffenden etwas verändert?
Einen Film im Libanon zu machen war schon immer eine Herausforderung. Zur Zeit von Dancing on the Edge of a Volcano (2023) lag das an der enormen Wirtschaftskrise, dem Zerfall der Infrastruktur und der Explosion im Hafen. Heute liegt es am Krieg mit Israel und all der Ungewiss heit über die Zukunft. Und ganz allgemein ist es, da wir keinerlei öffentliche Förderung für unser Kino haben, immer eine Herausforderung, unsere Filme zu finanzieren. Aber das Kino im Libanon war nie bloss ein Beruf; es ist eine dringliche Notwendigkeit. Es ist die Art, wie wir unsere Wirklichkeit dokumentieren. Während die Krisen von wirtschaftlich zu militärisch mutieren, bleibt die treibende Kraft dieselbe: ein absurdes, schönes Beharren darauf, unsere Geschichten zu erzählen, in gleichem Masse geprägt von Herzschmerz und Liebe.
Cyril Aris:
Cyril Aris (*1987) ist ein libanesischer Drehbuchautor und Regisseur, der ursprünglich als Unternehmensberater arbeitete, bevor er sich dem Film zuwandte. Seine Karriere begann mit der Miniserie Beirut, I Love You (2011–2012). Internationale Aufmerksamkeit erhielt er mit seinem Kurzfilm The Preside…
A Sad and Beautiful World
Artikel veröffentlicht: 18. August 2026
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