Al Leil

von Mohamed Malas, Syrien, 1990
Bild von

Mohamed Malas wurde 1945 im syrischen Kuneitra geboren, unweit der Grenze zum heutigen Israel, von dem der wichtige Verkehrsknotenpunkt Kuneitra im Sechstagekrieg zerstört wurde. Jetzt blendet Malas zurück in die Zeit zwischen 1936 und 1967. Er schildert in Al Leil die Kindheit eines Knaben, der als Erwachsener den Spuren des Vaters nachgeht, den Zeiten der ständigen Absenz. Eines Tages war er überhaupt nicht mehr aufgetaucht, nachdem er während Jahren für die Demokratie gekämpft hatte, immer wieder mit seinen Kampfgefährten loszog und kaum Zeit fand für seine Familie, für sein Privatleben. Der Knabe wuchs mit seiner Mutter auf. Über sie erfährt der Junge auch einen Teil der Geschichte des Vaters.

Seinen Film hat Malas "gewidmet jenen, die im Dunklen kämpften und in der Stille starben." Er dreht das Rad der Zeit nicht einfach rückwärts, er webt vielmehr einen orientalischen Teppich voller Ornamente, auf dem die Zeiten sich überlagern, auf dem sich ein Bild der Geschichte entfaltet, das jenseits von Daten entsteht. Es gibt so etwas wie den Konjunktiv in dieser Erzählform, die Malas wählt, das Mögliche, das das Wirkliche mitbestimmt. Da berichtet die Mutter im Off von einem Ereignis, und gleichzeitig sehen wir sie im Bild, das Erzählte erleben. "Papa, ist es noch weit bis Palästina?" lautet eine der Fragen, auf die der Knabe keine Antwort kriegen kann, je länger je weniger. Denn allmählich wird auch das Ideal der Demokratie verraten, stehen jene, die während Jahren unter Selbstaufopferung für sie kämpften, allein im Regen einer Diktatur, die sich selber feiert.

"Al Leil" ist nicht nur in seiner Konstruktion der übereinanderglegten Zeit-Folien faszinierend, Malas liebt überhaupt die visuelle Erzählform, er setzt auf Fotogramme. Spiegel, Durchblicke, Schatten, dann die Füsse der Mädchen unter der Wand, die Scherben angesichts des Mannes, die Schleier, die Tücher. Bei einer Rasur wird nebenbei auch die Bedeutung der Erzähltradition deutlich, die eine Neuigkeit mitunter wie ein Lauffeuer unter die Leute bringt und handkehrum weit zurückgreift in der Geschichte, sich Zeit nimmt, die Zeit auszuloten. Der Film handelt vom Leben in der Erinnerung, vom Eingebundensein der Gegenwart in der Vergangenheit, von der Einsamkeit in der Trennung, vom Traum Palästina. Das Lauschen, das Spienzeln, das Tasten, kurz: Die Sinnlichkeit ist gross geschrieben. Bis dass Gegenwart und Vergangenheit in einem Bild sich überlagern.

Walter Ruggle

Festivals & Auszeichnungen

Goldener Tanit (Bester Film) Karthago, 1992; Grosser Preis Fribourg, 1993; Grosser Preis Brügge, 1993; Selektion Internationales Forum des Jungen Films, Berlin 1993

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Credits

Originaltitel
Al Leil
Titel
Al Leil
Regie
Mohamed Malas
Land
Syrien
Jahr
1990
Drehbuch
Mohamed Malas, Ussama Mohamed
Montage
Kais Al Zubaidi
Musik
Vahe Demrejian
Kamera
Youssef Ben Youssef
Ton
Gilles Baste, Pascale Baste
Produktion
Organisme national du cin├ęma; Maram for cinema, Libanon; La Sept, Frankreich
Formate
35mm, DVD, DCP
L├Ąnge
119 Min.
Sprache
Arabisch/d/f oder i
Schauspieler:innen
Sabah Jazairi (Wissal, die Mutter), Fares Al Helou (Alallah, der Vater), Omar Malas (Alallah, das Kind), Maher Sleibi (Awad, der Friseur), Riad Chahrour (Wissals Vater), Nada Homsi (Awads Frau), Nizar Abou Hajar (der Cheickh), Rafiq Sbei (K├Ąmpfer; Pr├Ąsident)

Pro Material

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