Casa de areia - The House of Sand

DVD

Drei Frauen - Grossmutter, Mutter und Tochter - stehen im Mittelpunkt dieser wunderbaren brasilianischen Frauensaga, die sich ├╝ber einen Zeitraum von 59 Jahren erstreckt. 1910 gelangen Dona ├üurea und ihre Mutter Maria nach Maranh├úo, an einen gottverlassenen Flecken inmitten einer Sandw├╝ste im Norden Brasiliens. ├üureas Ehemann Vasco h├Ąngt dem verr├╝ckten Glauben an, er k├Ânne das trostlose Land fruchtbar machen. Als er ums Leben kommt, ist ├üurea schwanger; mit ihrer Mutter und der Neugeborenen, die den Namen Maria erh├Ąlt, lebt sie fortan allein in dem Haus auf der D├╝ne. Zum einzigen Vertrauten wird Massu, der in einer nahen Siedlung fortgelaufener Sklaven lebt. Von ihm lernen sie, durch Tausch und Handel ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihre Hoffnung, die Gegend verlassen zu k├Ânnen, bleibt unerf├╝llt. Trost findet ├üurea in den Armen des Leutnants Luiz, der hier eine Sonnenfinsternis beobachten kommt, w├Ąhrend Maria von der Musik tr├Ąumt.
Mit "Eu, tu, eles" hat der Brasilianer Andrucha Waddington vor drei Jahren von sich reden gemacht und das Publikum auch bei uns begeistert. In seinem neuen Film "The House of Sand" (Casa de Areia) pr├Ągt erneut die Landschaft die Menschen und das Dasein, dreht sich das Geschehen um Frauenfiguren. Und eine Hauptrolle spielt die W├╝stenlandschaft im hohen Norden Brasiliens, in die hinein die Handlung ├╝ber Sein und Zeit choreografiert ist. Atemberaubend sind die Bilder dieser Gegend, meditativ die Reise durch ein Jahrhundert am Rand der zivilisierten Welt.
Es sind nur wenige Einstellungen in grandiosem Cinemascope, die Andrucha Waddington ben├Âtigt, um uns einzunehmen f├╝r einen Ort, an den er uns entf├╝hren will und an dem kaum jemand von uns sein Leben fristen m├Âchte. So faszinierend die Landschaft ist, so abseitig ist sie auch. Diese Landschaft ist eine B├╝hne, auf der er seine Geschichte inszenieren wollte, eine Geschichte mit archaischen Z├╝gen, eine Geschichte, in der es ums Lebendige geht, um das, was uns allen bleibt, wenn es nichts mehr gibt ausser unseren K├Ârper, die Landschaft und: die Zeit.
Es gibt andere W├╝stenfilme wie David Leans "Lawrence of Arabia", die die Pracht der Leinwandbreite nutzten, um von der Unendlichkeit zu erz├Ąhlen. Hier kommt dazu, dass Waddington es versteht, die Figuren einerseits in dieser Landschaft verloren zu Nichtsen werden zu lassen und ihnen gleichzeitig in den nahen Einstellungen so nah zu kommen, dass ihre Gesichter spiegeln k├Ânnen, was die W├╝ste in ihnen ausl├Âst und bewegt. Eine Kraft des Filmes besteht darin, dass er uns die Endlichkeit in dieser Unendlichkeit sp├╝rbar macht, fassbarer werden l├Ąsst ├╝ber das Bild, das er davon schafft. ┬źIch will mit meiner Tochter weg von hier┬╗, erkl├Ąrt die Mutter dem ehemaligen Sklaven Massu, der diesen Traum schon lange aufgegeben hat und froh ist, nicht dort zu sein, wo es die Mutter wieder hinzieht. F├╝r jeden ist das Hier und Anderswo etwas anderes. Sie will wissen, ob da jemals jemand vorbeikomme? ┬źHier kommt keiner an┬╗, meint Massu lakonisch, ┬źund hier geht keiner weg.┬╗
Wer heute einen Film dreht, hat andere Filme gesehen. Eine un├╝bersehbare Referenz, die Andrucha Waddington selber auch nennt, ist der japanische Spielfilm "Suna no onna" (Die Frau in den D├╝nen) von Hiroshi Teshigahara aus den fr├╝hen sechziger Jahren, gedreht nach dem gleichnamigen Roman von K├┤b├┤ Abe. Dort findet sich ein Insekten sammelnder Mann in einem Haus bei einer mitten in den D├╝nen allein lebenden Frau wieder. Und es beginnt ein Ringen um die Frage: Gibt es einen Ausweg aus dieser Existenz?
Walter Ruggle

Festivals & Auszeichnungen

Winner Best Actress Award Guadalajara/Mexico
Alfred P. Sloan Feature Film Prize, Sundance
World Cinema, Toronto
Panorama, Berlin

artwork

Credits

OriginaltitelCasa de areia - The House of Sand
TitelCasa de areia - The House of Sand
RegieAndrucha Waddington
LandBrasilien
Jahr2006
DrehbuchElena Soárez, Andrucha Waddington. Idee: Luiz Carlos Barreto
MontageS├ęrgio Mekler
MusikCarlo Bartolini, João Barone
KameraRicardo Della Rosa
TonJorge Saldanha
Kost├╝meClaudia Kopke
AusstattungTul├ę Peake
ProduktionConspira├ž├úo Filmes, Rio
Formate35mm, DVD
L├Ąnge116 Min.
SprachePortugiesisch/d/f
Schauspieler:innenFernanda Montenegro, Fernanda Torres, Ruy Guerra, Seu Jorge, St├ęnio Garcia, Luiz Melodia, Enrique D├şaz, Emiliano Queiroz, Jo├úo Acaiabe, Camilla Facundes

Credits

OriginaltitelCasa de areia - The House of Sand
TitelCasa de areia - The House of Sand
RegieAndrucha Waddington
LandBrasilien
Jahr2006
DrehbuchElena Soárez, Andrucha Waddington. Idee: Luiz Carlos Barreto
MontageS├ęrgio Mekler
MusikCarlo Bartolini, João Barone
KameraRicardo Della Rosa
TonJorge Saldanha
Kost├╝meClaudia Kopke
AusstattungTul├ę Peake
ProduktionConspira├ž├úo Filmes, Rio
Formate35mm, DVD
L├Ąnge116 Min.
SprachePortugiesisch/d/f
Schauspieler:innenFernanda Montenegro, Fernanda Torres, Ruy Guerra, Seu Jorge, St├ęnio Garcia, Luiz Melodia, Enrique D├şaz, Emiliano Queiroz, Jo├úo Acaiabe, Camilla Facundes

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Vorf├╝hrdatum Vorf├╝hrung
Veranstalter/Veranstalterin

Pressestimmen

┬źHundert Jahre Einsamkeit w├Ąre auch ein Titel gewesen, wenn er nicht schon vergeben w├Ąre.┬╗

P.S. Z├╝rich

┬╗Atemberaubend┬╗

Z├╝ritipp

┬źGrosses, unvergessliches Kino.┬╗

Biel/Bienne

┬źGrandios in Komposition und Anspruch.┬╗

NZZ am Sonntag

┬źBildgewaltig, wortkarg, existenzialistisch.┬╗

Mybasel

┬źDie Lust am Cinemascope-Format beschert uns einen opulenten Augenschmaus - streicht aber gleichzeitig die existenzialistische Dimension der Handlung heraus.┬╗

NZZ

┬źAusserordentlich . . . sengend sch├Ân. ┬╗

Folha de São Paulo

┬źDas Resultat ist faszinierend und mehr als nur vitales Erz├Ąhlkino mit bestechend sch├Ân fotografierten Bildern: eine bewegende Meditation ├╝ber K├Ârper, Landschaft, den Fluss der Zeit und das Leben im Ausnahmezustand als Alltag.┬╗

Der Bund, Bern

┬źSo tritt Waddington zum zweiten Mal in Folge den Beweis an, dass das aktuelle brasilianische Kino einen eigenen filmischen Ausdruck findet und dabei erfrischend und intelligent zu unterhalten vermag.┬╗

Basler Zeitung

┬źDiese atemberaubend sch├Âne Ecke der Welt ist gleichzeitig Paradies und H├Âlle, und man wischt sich beim Verlassen des Kinos den Sand von den Kleidern.┬╗

Radio DRS 2

┬źWas f├╝r ein Film, welch epische Bilder. Das ist wohl der beste brasilianische Film seit Jahren. ┬╗

O Globo, Rio de Janeiro

┬źEs gibt Filme von schlicht unvergesslicher Bildlichkeit. Eines dieser Kleinode ist ┬źThe House of Sand┬╗, eine 59 Jahre umspannende Familiensaga des Brasilianers Andrucha Waddington ... Es ist viel mehr die phantastische Kamera von Ricardo Della Rosa, der - mal hautnah dran am Geschehen, dann wieder sich in der glimmernden Weite der W├╝ste verlierend - dem Film eine bet├Ârende Bildlichkeit verleiht. Und es ist das intensive Spiel der die Rollen von Oma, Mutter und Tochter unter sich aufteilenden Schauspielerinnen Fernanda Montenegro und Fernanda Torres, die auch im wirklichen Leben Mutter und Tochter sind.┬╗

Independent Pictures, Irene Genhart

┬źGekonnt photographiert Waddington die W├╝ste im Cinemascope-Format als grandios-archaische Landschaft, als Ort ausserhalb aller Orte, an dem nichts anderes mehr zu existieren scheint, als der stetige Lauf des Sandes und der Zeit.┬╗

Cineman

┬źThe House of Sand ist der pers├Ânlich-ste und mutigste Film von Andrucha Waddington. Im unvergleichlichen Schicksal der Frauen steckt die Atmos-ph├Ąre von Gabriel Garc├şa M├írquez drin.┬╗

Jos├ę Geraldo Couto

Time Out, London (Geoff Andrew):

"The two FernandaÔÇÖs, each playing, as the film proceeds through the decades, more than one character, play their roles with sensitivity, skill and considerable charisma."

Film Threat (Michael Ferraro):

"A massivelybeautiful epic."

Newsday (Jan Stuart):

"A shimmering masterwork... profoundly moving... 'The House of Sand' succeeds magnificently"

LA Times (Carina Chocano):

ÔÇťExquisitely beautiful film...screenwriter Elena So├írez weaves a lyrical narrative about isolation and time that recalls great space allegories such as 2001: A SPACE ODYSSEY and THE LITTLE PRINCE... Torres gives a touching, remarkable performance as a passionate and willful young woman lost in space and cut off from time, and as Do├▒a Maria and the older ├üurea, Montenegro gives wonderful portrayals of the aftermath of their choice to adapt and survive when it becomes clear to her that the world has passed them by. Heartbreaking and strange, "House of Sand" is as original as it is lovely.ÔÇŁ

New York Times (A.O. Scott):

ÔÇťLovely film... The story that links these moments has the clarity of a fable and the sentimental enchantment of a magic-realist novel. Mr. Waddington, who brilliantly evoked the dry, brown Brazilian backlands in ME YOU THEM, brings out the psychological nuances of the story (the script is by Elena So├írez) even as he respects its bold, primal emotions and the almost classical dignity of the main charactersÔÇŁ

Newsday (John Anderson):

ÔÇťIf David Lean and William Faulkner had ever collaborated, and brought in Henry Moore to do set design, HOUSE OF SAND might have been their troubling brainchild. An exercise in Brazilian existential anxiety, the film does for sand what DAS BOOT did for water, and ATANARJUAT (THE FAST RUNNER) did for ice, presenting human beings as all but irreconcilable to either the natural world or themselves... grand, fatalistic and visually stunning. HOUSE OF SAND is fascinating, compelling and most of all seductive, its inhabitants caught in a no-man's land between sand, sky and sea, and unable to look at any of it for what it is.ÔÇŁ

New York Post (V.A. Musetto):

ÔÇťRicardo Della Rosa's sumptuous, wide-screen cinematography takes full advantage of the sandy vista, complementing beautiful acting by Montenegro and Torres.ÔÇŁ

TRIGON MAGAZIN HEFT 32

┬ęWalter Ruggle

Mit seinem Spielfilmerstling Eu, tu, eles hat der Brasilianer Andrucha Waddington vor drei Jahren an der Croisette von Cannes von sich reden gemacht. Die in die trockene Landschaft hinein inszenierte Geschichte von einer Frau, die sich drei M├Ąnner f├╝r verschiedene Zwecke h├Ąlt, stand in einem erfrischenden Sinn quer zu dem, was da sonst zu sehen war. Auch in seinem neuen Film Casa de Areia pr├Ągt die Landschaft die Menschen und das Dasein, auch hier pr├Ągen Frauen das Geschehen. Und eine Hauptrolle spielt die W├╝stenlandschaft im hohen Norden Brasiliens, in die hinein die Handlung ├╝ber Sein und Zeit choreographiert ist. Atemberaubend sind die Bilder dieser Gegend, meditativ die Reise durch ein Jahrhundert am Rand der zivilisierten Welt.

Am Anfang war die Landschaft. Ein Flug, ganz langsam, sanft fast, ├╝ber astrein wirkende Sandd├╝nen hinweg, D├╝nen, die wie Schallwellen sich ausbreiten, im Ohr, so will es scheinen, das Rauschen eines Meeres, das nicht weit sein kann ÔÇô oder ist es doch der Wind, der ├╝ber die D├╝nen weht? Dann nimmt die Kamera einen einzelnen D├╝nenzug ins Blickfeld, mit grosser Geste in die Landschaft hineingeworfen. Auf ihm zieht ein Mann mit Tieren einher, gefolgt von einem anderen, von weiteren Tieren und weiteren Menschen. Was nur machen die da? Wo wollen sie wohl hin? Die W├╝ste durchqueren, um an eine fruchtbare Stelle zu gelangen am anderen Ende? Wenn es da ├╝berhaupt ein anderes Ende gibt. Wohin bloss zieht es sie?

K├Ârper, Landschaft, Zeit

Die Regie l├Ąsst sich Zeit, nicht nur, weil nun die Namen der Mitwirkenden in die D├╝nen eingeblendet werden. Es ist auch jene Zeit, die eine Einstellung braucht, will sie etwas von der Beschwerlichkeit des Gangs zeigen, dem die Figuren im Bild sich aussetzen. Zeit fassbar machen, die sie brauchen, um nur schon vom einen Ende des D├╝nenbogens zum anderen zu gelangen. Und die Landschaft hier ist voll von D├╝nenbogen. Wir befinden uns im Bezirk Marahn├úo, am n├Ârdlichen Ende von Brasilien. Man schreibt das Jahr 1910. Das wird zur Situierung des Beginns der Handlung eingeblendet ÔÇô die Zeit also in einer anderen Dimension noch, in einer historischen. Und jetzt erst der Schnitt in die N├Ąhe, hart kadriert auf zwei Frauengesichter, die sich durch ebendiese immense Landschaft schleppen, ausser Atem, das Bewusstsein ausgeschaltet, schwitzend, mit letzter Kraft.

Es sind nur wenige Einstellungen in grandiosem Cinemascopeformat, die Andrucha Waddington ben├Âtigt, um uns einzunehmen f├╝r einen Ort, an den er uns entf├╝hren will und an dem kaum jemand von uns sein Leben fristen m├Âchte. So faszinierend die Landschaft, so abseitig ist sie. Waddington selber sagt, dass er von einem befreundeten Produzenten auf die Region im Norden Brasiliens aufmerksam gemacht worden sei. Dieser habe, nachdem er seinen Film Eu, tu, eles gesehen hatte, gemeint: ┬źDort musst du mal einen Film drehen.┬╗ Eine Reise an den Ort machte dem jungen Regisseur klar: Diese Landschaft ist eine B├╝hne, auf die ich eine Geschichte inszenieren m├Âchte. Und klar d├╝rfte auch rasch gewesen sein: Es muss eine Geschichte mit archaischen Z├╝gen sein, eine Geschichte, in der es ums Lebendige geht, um das, was uns allen bleibt, wenn es nichts mehr gibt ausser unseren K├Ârper, die Landschaft und: die Zeit.

Traum von der Lagune

Die Idee zum Film The House of Sand (Casa de Areia) entstand also aus der Landschaft heraus. Man neigt, sieht man sie, sogar dazu, sich f├╝r das Bild zu entscheiden, diese Landschaft habe die Geschichte dieses Films geboren. Und Waddington tat gut daran, die Landschaft selber wie eine Schauspielerin zu behandeln, zu betrachten, agieren zu lassen.

Eine Gruppe von Leuten k├Ąmpft sich D├╝ne um D├╝ne vorw├Ąrts. Kleinste Spuren im Sand werden als Zeichen der Hoffnung wahrgenommen, denn Spuren bedeuten, wo immer man hinkommt, auch Leben. Anderes Leben. Der weisshaarige b├Ąrtige Anf├╝hrer der Gruppe w├Ąhnt sich bereits nahe der Lagunen, die er erwartet. Lagunen sind wichtig, denn ohne Wasser gibts kein Leben. Das vermeintliche Meeresrauschen wirkt in dieser unendlichen W├╝stenlandschaft wie eine Fata Morgana ÔÇô eine akustische einfach. Ich weiss nicht, ob es eine solche gibt, aber wenn es sie irgendwo gibt, dann sicher an diesem Ort, an den es Vasco de S├ó mit Aurea und Dona Maria Aurea, ihrer Mutter, verschlagen hat. Warum nur? Der alte Weisshaarige ist der Mann der Tochter, um mindestens zwei Generationen ├Ąlter will er wirken, aber er hat sie gefreit und ist mit ihr, mit ihrer Mutter und einem ganzen Tross losgezogen, um ein Landst├╝ck zu suchen, das er gekauft hat, das er sein Eigen nennen darf. Eigentum, das z├Ąhlt an einem derart weltabgeschiedenen Ort zwar nichts, aber diese Menschen kommen zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus einer Welt, in der das Eigentum alles ist. Auch wenn sie nicht eben viel davon haben.

Das Eigen

Das h├Âchste Gut in jener Zeit ist ein St├╝ck Land. Eine sanfte Kamerafahrt hinter dem R├╝cken Vascos macht es deutlich. Von oben weitet sich sein und unser Blick hinab auf einen feuchten sandfreien Fleck Landschaft; das h├Âchste Eigentum f├╝r diesen Mann ist ein St├╝ck Land und eine Frau. ┬źVasco┬╗, sagt Aurea, sich neben ihn setzend, ┬źich war einverstanden, mit dir hierher zu kommen. Ich habe nie gedacht, dass es einfach sein w├╝rde┬╗. Und, sie f├╝gt es nach einer kleinen Pause nebenbei an: ┬źIch erwarte ein Kind. Ich habe zugewartet, es dir zu sagen, bis ich sicher war.┬╗ ÔÇô Vasco, wenig beeindruckt: ┬źEs wird ein Knabe sein, und er wird mir hier helfen.┬╗ ÔÇô Sie: ┬źDieser Ort ist nichts f├╝r ein Kind, Vasco. Das ÔÇô das ist kein Ort f├╝r niemanden. Lass uns nach Hause gehen, Vasco. Lass uns zur├╝ckgehen.┬╗ Mit Vasco aber gibt es keine Diskussion: Es gibt kein Zur├╝ck, hier wird geblieben, dieses Land ist sein Land. Sein Eigen. Was das mit dem Eigentum bedeutet, wird sich rasch zeigen, wenn Menschen, die hier leben, auftauchen. Es sind fl├╝chtige Sklaven, die der Zivilisation, der so genannten, entflohen sind, weil sie es als

unzivilisiert empfunden haben, Eigentum von anderen Menschen zu sein und wie Tiere gehalten zu werden. Sie zogen es vor, an diesem unwirtlichen Ort zu bleiben und sich mit dem Wenigen, was es da gibt, eine Existenz aufzubauen.

Die Endlichkeit in der Unendlichkeit

Andrucha Waddington inszeniert seine Handlung in die Landschaft herein, und er sch├Âpft das breite Leinwandformat dazu aus. Selten wird das Format visuell noch so konsequent genutzt. Es gibt andere W├╝stenfilme wie David Leans Lawrence of Arabia, die die Pracht der Breite auch nutzten, um von der Unendlichkeit zu erz├Ąhlen. Hier kommt dazu, dass der Brasilianer es versteht, die Figuren einerseits in dieser Landschaft verloren zu Nichtsen werden zu lassen und ihnen gleichzeitig in den nahen Einstellungen so nah zu kommen, dass ihre Gesichter spiegeln k├Ânnen, was die W├╝ste in ihnen ausl├Âst und bewegt. Eine Kraft des Filmes besteht darin, dass er uns die Endlichkeit in dieser Unendlichkeit sp├╝rbar macht, fassbarer werden l├Ąsst ├╝ber das Bild, das er davon schafft.

Die japanische Frau in den D├╝nen

Wer heute einen Film dreht, hat andere Filme gesehen. Eine Referenz, die Andrucha Waddington selber nennt, ist der japanische Spielfilm Suna no onna (Die Frau in den D├╝nen) von Hiroshi Teshigahara aus den fr├╝hen sechziger Jahren, gedreht nach dem gleichnamigen Roman von K├┤b├┤ Abe. Dort findet sich ein Insekten sammelnder Mann in einem Haus bei einer mitten in den D├╝nen allein lebenden Frau wieder. Die Dorfbewohner hatten ihn zu ihr geschickt und ├╝ber Nacht die Leiter entfernt, die ihm die R├╝ckkehr erm├Âglicht h├Ątte. Sie wollten, dass jemand der Frau in den D├╝nen beim st├Ąndigen Kampf gegen den wandernden Sand hilft. So sieht er sich gezwungen, bei ihr zu bleiben und mit ihr gegen den fliessenden Sand zu k├Ąmpfen. Immer wieder versucht er zu fliehen, mit der Zeit sieht er die Hoffnungslosigkeit seiner Versuche ein und stellt sich auf die Situation ein. Am Ende bleibt er, als er tats├Ąchlich einen Ausweg h├Ątte, bei der Frau in den D├╝nen, mit der ihn in der Zwischenzeit auch eine Liebesgeschichte verbindet. Das ist eines der grossen Huisclos-Dramen des Kinos, ein Film ebenfalls von rarer Sch├Ânheit und existenzieller Tiefe.

Noch viel weiter zur├╝ck in der Filmgeschichte liegt Greed von Erich von Stroheim, jenes epochale Meisterwerk, von dem nur noch Fragmente erhalten sind, allein sie sind derart packend, dass man sich diesen Film einmal im Jahr anschauen sollte. Die Handlung kulminiert hier in einer Reise in die W├╝ste, ins Death Valley, wo die beiden Figuren ihren letzten Kampf austragen, an einem Ort, von dem mit Sicherheit keiner der beiden noch lebend zur├╝ckkehren wird. Es ist ein Kampf um Geld und Eigentum. Vielleicht schafft es der Vogel noch, der aus dem K├Ąfig freigelassen wird, die Freiheit einer lebenswerten und lebbaren Umgebung wieder zu erreichen. Von Stroheim l├Ąsst das offen und seine beiden Figuren zur├╝ck in der ausgetrockneten Landschaft.

Keiner kommt an, keiner kann weg

Auch die Tochter und die Mutter in The House of Sand versuchen, ihrem Ort zu entrinnen, nachdem der alte Vasco in den Tr├╝mmern seines einst├╝rzenden Hauses umgekommen ist. Aber ein Entrinnen gibt es an gewissen Orten nicht. Die einzige Chance, die die beiden mit dem noch ungeborenen Kind haben, ist hier zu bleiben, sich auf ein Leben hier einzustellen und zu hoffen, dass mal einer vorbeikommen m├Âge, der sie mitnimmt und befreit aus ihrer Situation. Wie Gestalten eines anderen Planeten nehmen die beiden b├╝rgerlich gesitteten Frauen die schwarzen M├Ąnner wahr, die da leben. Die Kamera schwebt mit der Mutter zum Meer, das bisher nur h├Ârbar war und erahnt werden konnte. Immer wieder schafft es Waddington, ein Gef├╝hl, eine Stimmung, ein Moment rein visuell zu vermitteln, zum Beispiel hier, wo so etwas wie Leben sichtbar wird. ┬źIch will mit meiner Tochter weg von hier┬╗, erkl├Ąrt die Mutter einem schwarzen Massu, der diesen Traum schon lange aufgegeben hat und froh ist, nicht dort zu sein, wo es die Mutter wieder hinzieht. F├╝r jeden ist das Hier und Anderswo etwas anderes. Er erkl├Ąrt ihr, wie sie vom Fischfang leben k├Ânnen, und sie will wissen, ob da jemals jemand vorbeikomme? ┬źHier kommt keiner an┬╗, meint Massu lakonisch, ┬źund hier geht keiner weg.┬╗

Bei uns sein

Das also ist gesetzt. Andrucha Waddington begibt sich wie in seinem ersten Spielfilm Eu, tu, eles sehr weit weg von dem, was wir uns gewohnt sind, um sichtbar zu machen, was ist, wenn das fehlt. Was dann im Vordergrund steht. Und wie im anderen Film bleibt den Figuren nichts, ausser bei sich selber zu sein und sich mit dem anzufreunden, was da ist. Ist das wom├Âglich etwas, was wir verloren haben, was bei uns verk├╝mmert ist?

In Eu, tu, eles hat die Frau die Flucht versucht, ist in die Stadt gezogen und mit Kindern zur├╝ckgekehrt. Sie war ÔÇô Waddington hat uns das Erz├Ąhlen des Aufenthalts dort erspart, das kennen wir ja ÔÇô in der Stadt nicht gl├╝cklich, wurde ausgenutzt und hat irgendwann begriffen, dass sie ihr Leben bei sich im Dorf besser im Griff haben k├Ânnte. Und sie hat, zur├╝ckgekehrt, sich gleich drei M├Ąnner gehalten, um gl├╝cklich zu sein. Sie tat dies im Bewusstsein, dass ein Mann allein einer Frau nicht alles bieten kann, was sie braucht; sie hat wohlweislich drei verschiedene genommen, die ihr je einen Teil dessen bieten konnten, was sie begehrte. Und also fand sie zu ihrem Gl├╝ck.

Hier, in den D├╝nen, m├╝ssen sich die drei Frauengenerationen also erst einmal einrichten auf eine g├Ąnzlich andere Existenz, in der auch ihre st├Ądtischen Kleider wenig Funktion haben. Es gibt an diesem Ort kein Entrinnen. Sein Vater sei hierher geflohen, erl├Ąutert der Schwarze, und er selber sei hier aufgewachsen, kenne nichts anderes. Der Vater w├Ąre seiner Situation entronnen und habe immer gehofft, einmal zur├╝ckzukehren, wenn die Sklaverei endlich abgeschafft w├Ąre. Ein vergeblicher Traum. Als es so schien, als w├Ąre die Zeit vorbei, sei er nicht zur├╝ckgegangen, um das zu pr├╝fen, denn er h├Ątte Angst davor gehabt, dass es eh nur eine L├╝ge der Herrschenden sei.

Die W├╝ste ÔÇô eine immense Sanduhr

Massu hilft den Frauen, ein Haus an der Lagune einzurichten und so etwas wie Wohnlichkeit am unwirtlichen Ort herzustellen. Die Tocher will, Schwangerschaft hin oder her, weggehen mit dem n├Ąchstbesten Passanten ÔÇô aber das bleibt eine Illusion. Die Kamera schweift ├╝ber die unendlich wirkende W├╝stenfl├Ąche, um nach einem Schnitt in die N├Ąhe den langsam fliessenden Sand zu erfassen. Die D├╝ne frisst das Haus, in dem jetzt eine Tochter lebt, einer Sanduhr gleich rinnt sich der Ort voll ÔÇô die Zeit, sie steht nicht still, und wir sind mit einem W├╝stenschwenk um mehr als ein Jahrzehnt weiter.

Die Zeit, sie zeigt sich in so vielen Facetten: In den Gesichtern zum Beispiel, in denen das ├älterwerden seine Spuren hinterl├Ąsst, im Wiederkehrenden, wenn aus der Tochter eine Mutter wird und die Mutter bald einmal zur Grossmutter macht. Tochter und Mutter werden von zwei der bekanntesten Schauspielerinnen Brasiliens verk├Ârpert, von Fernanda Montenegro und Fernanda Torres, die auch im wirklichen Leben Mutter und Tochter sind. Eine umso packendere Konstellation, als sie im Film ja mehrfach die Rollen tauschen und ├╝ber die einhundert Jahre Einsamkeit hinweg mal Mutter sind mal Tochter, dann Mutter der Figur, die sie eben noch als Tochter verk├Ârpert haben. Auch mit dieser Besetzung und diesem Wechselspiel l├Ąsst uns Andrucha Waddington ├╝ber das Sein in der Zeit nachdenken. Mit der Besetzung Vascos durch Ruy Guerra, eine der Schl├╝sselfiguren des Cinema Novo und Autor von so wichtigen Filmen wie Os fuzis (1964), erweist er dar├╝ber hinaus auch der legend├Ąren Filmzeit in seiner Heimat eine Referenz. Waddington steht, das machte er bereits mit Eu, tu, eles klar, in dieser Tradition, auch wenn er seinen eigenen Weg geht und man die betont br├╝chigen Geschichten von damals so eins zu eins nicht mehr machen k├Ânnte. Aber er vertraut auf das autochtone Brasilien, darauf, dass sich hier existenzielle Geschichten erz├Ąhlen lassen, die die menschliche Natur in der eigenen Kultur abtasten.

Von der Relativit├Ąt

Aurea gibt die Hoffnung nicht auf. Sie zieht los, als sie eines Tages

frische Spuren im Sand entdeckt, und sie findet nach langer Wanderung tats├Ąchlich Menschen aus der Zivilisation, die wie Extraterrestrische wirken in dieser Mondlandschaft. ├ťber die Begegnung und die Liebesnacht mit dem Soldaten Luiz, der die wissenschaftliche Exkursion begleitet, erf├Ąhrt Aurea mehr von der Dimension der Zeit, die in The House of Sand eine elementare Rolle spielt und letztlich ein Hauptthema ist. Hoch auf einer D├╝ne und ├╝ber den Zeltd├Ąchern der Expedition erkl├Ąrt Luiz Aurea, dass die M├Ąnner da Himmelsbeobachtungen machen w├╝rden und die Sonnenfinsternis sich dazu besonders gut eigne. W├Ąhrend einer Eklipse liessen sich Aufnahmen machen, mit denen man Dinge ├╝ber Himmelsk├Ârper beweisen k├Ânne. ÔÇô Wozu? will die staunende Frau gedankenverloren wissen? Denn sie kann nicht nachvollziehen, wozu das alles n├╝tzlich sein soll, wo es im einfachen Leben doch weit gr├Âssere Probleme gibt, die zu l├Âsen w├Ąren. Nun erz├Ąhlt Luiz ihr zur Erkl├Ąrung die sch├Âne Geschichte von den beiden Zwillingen, von denen einer eines Tages mit einer Rakete ins All geschossen wurde, w├Ąhrend der andere zur├╝ckblieb. Als jener von seinem Flug in den Raum wieder nach Hause kam, war er j├╝nger als sein Zwillingsbruder, der hier geblieben war. Aurea meint nur, sie m├Âchte nicht die gewesen sein, die hier geblieben ist. Und kommt damit zu ihrem zentralen Anliegen, das viel naheliegender ist: ┬źK├Ânnen Sie uns von hier fortbringen, meine Mutter, meine Tochter und mich?┬╗

Besiegelte Ankunft im Liebesakt

Bis sie mit Mutter und Tochter an die Stelle zur├╝ckkehrt, ist Luiz mit seiner Expedition schon lange wieder verschwunden. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine sch├Âne Liebesnacht, der Gedanke an die Relativit├Ąt des Zeitlichen und die Hoffnung, dass Luiz zur├╝ckkommt, sie zu holen. Zur├╝ck im Haus im Sand schneidet sich Aurea die Haare und gibt sich Massu hin. Jetzt scheint sie angekommen. Sanft zeichnet Andrucha Waddington diese Ann├Ąherung der Frau an den Mann, im Haus, das er am Ausbessern ist. Ein Blick, der von der Sehnsucht k├╝ndet, ein verlorenes Gl├╝ck, eine aufgegebene Hoffnung und ein Bed├╝rfnis nach Liebe, das gestillt werden will. Die beiden K├Ârper, schwarz und weiss, ausgebreitet wie die D├╝nen der Landschaft ÔÇô ein Liebesakt, in dem sich alles entl├Ądt und aus dem eine ganz andere Hoffnung w├Ąchst.

Verlassen haben wir die Zeit, und dennoch l├Ąuft sie auch hier. Ein Flug ├╝ber die D├╝nen, auf denen nun eine einsam wirkende junge Frau steht und ├╝ber denen Flugzeuge sichtbar werden. Maria, die Tochter der Tochter, ist erwachsen geworden und lebt und liebt aus, was sie bei den Erwachsenen gesehen hat. Sie ist ein Teil dieser W├╝ste, in der das Leben roher, direkter, unverbl├╝mter, animalischer wirkt. Was kann da noch bleiben? Waddington erz├Ąhlt von einem R├╝ckzug aus der Zivilisation, vom mehrfachen Scheitern des Versuchs, diese wiederzugewinnen und davon, wie sich das Leben fernab immer mehr auf ein paar wenige Momente reduziert. Die Tochter Maria hat alle Grenzen nicht mehr, die die Alten noch hatten. Sie s├Ąuft, sie raucht, sie legt sich lasziv in die Matte. Sie ist sie, sie macht, was sie will: Enfant sauvage und Lolita in einem.

Die R├╝ckkehr des Liebhabers

Als eines Tages der leblose K├Ârper eines abgest├╝rzten Fliegers angeschwemmt wird und ein Jeep zur Untersuchung des Ungl├╝cks eintrifft, ist nicht nur die neue Zeit der Motorisierung eingetroffen, mit ihr kehrt auch der Liebhaber Luiz wieder. Ein verr├╝ckter Moment, denn nun begegnen sich zwei Zeiten, trifft der Mann doch zun├Ąchst auf die Tochter seiner zur├╝ckgelassenen Liebschaft, erkennt er diese in ihr. Es ist, als w├Ąren von den beiden Zwillingen, von denen er Aurea erz├Ąhlt hatte, einer ins All gegangen und der andere zur├╝ckgeblieben. Hier w├Ąrs einfach umgekehrt: Sie, die Dagebliebene, ist j├╝nger geworden, er, der Abgereiste, ist ein alter Mann.

Man kann in dieser Erz├Ąhlung immer wieder auf das Moment der Zeit stossen, des Zeitlichen, das hier in der Abgeschiedenheit dieser nordbrasilianischen Landschaft ganz andere Dimensionen hat. Wenig ├Ąnderte sich in den ├╝ber zwanzig Jahren, in denen der Mann weg war, bei ihm selber aber spielte sich ein ganzes Familienleben ab. Die Begegnung des wirklichen Paares wenig sp├Ąter braucht kaum Worte: ┬źAurea┬╗. ÔÇô ┬źLuiz┬╗.

Und zwischen ihnen steht die Zeit, ist k├Ârperlich fassbar, kein Abstraktum mehr. ┬źKann ich dich eine Minute sprechen?┬╗, fragt sie, und das klingt, angesichts der zeitlichen Dimension seiner Absenz, fast schon vermessen. Sie will eines: dass er die Tochter mitnehme. Sie selber wird bleiben, denn irgendwann ist man an jedem Ort auf diesem Planeten angekommen, bei sich selber und an dem Ort, den man als sein Zuhause bezeichnen w├╝rde.

Was nun ist die Zeit?

Was nun ist die Zeit? Das hatte sich bereits Aurelius Augustinus in seinen ┬źBekenntnissen┬╗ gefragt. Ein letzter Schwenk ├╝ber die D├╝nen bringt die Gegenwart zur├╝ck und mit ihr den Wagen, der nun hier ankommt. Die Motoren haben die Distanzen verringert: Was einst Tagesreisen bedeutete und die Dinge unendlich weit entr├╝ckte, ist heute nah und einfach erreichbar. Schnell durchmessen wir mit technischen Hilfsmitteln den Raum und verk├╝rzen damit vermeintlich die Zeit. Bleibt die Frage, ob wir selber damit wirklich vorw├Ąrts kommen. Oder nur anderswo hin. Maria kehrt als gesetzte Frau zur├╝ck, eine St├Ądterin, man sieht es ihr an. Ihre roten Turnschuhe zeigen: Das ist Gegenwart. Maria besucht ihre Mutter, die in den D├╝nen geblieben ist wie jener Mann in Japan in der Geschichte von K├┤b├┤ Abe. Und was bringt sie ihr mit aus der Stadt? Musik in einem Kassettenger├Ąt. Musik, die eine Dimension der Kultur ├Âffnet. Musik, die unter anderem auch eine Zeitkunst ist.

Was suchen wir, wenn wir reisen?

┬źDer Mensch hat seinen Fuss auf den Mond gesetzt┬╗, weiss Maria ihrer Mutter zu berichten. Das spielt hier nat├╝rlich keine Rolle. Dennoch interessiert sich die Mutter daf├╝r, denn Maria erz├Ąhlt auch, dass man ihn mit einer Rakete da hinauf katapultiert habe. ┬źKam er j├╝nger zur├╝ck?┬╗ will die Mutter wissen. ÔÇô Nein, er h├Ątte eher ├Ąlter gewirkt als zuvor. ÔÇô ┬źUnd, was fand er auf dem Mond?┬╗ ÔÇô ┬źNichts.┬╗ ÔÇô ┬źNichts?┬╗ ÔÇô ┬źIch h├Ârte, er fand nur Sand.┬╗ ÔÇô ┬źSand?┬╗ ÔÇô ┬źJa, Sand.┬╗ The House of Sand ist ein wunderbarer und wundersch├Âner Film ├╝ber den Fluss der Zeit, mitten im Sand, der still zu stehen scheint und sich doch bewegt. Ein Film, der uns aus unserer hektischen Gegenwart entf├╝hrt an einen Ort, an dem die Zeit zerrinnt, ohne dass man sich dessen Gewahr wird, an einen Ort, an dem der Rest der Welt keine Rolle spielt und der Einzelne also bei sich sein kann. Andrucha Waddington und sein grossartiges Schauspielerinnenduo Fernanda Montenegro und Fernanda Torres kommen aus Brasiliens Grossst├Ądten und sie lieben das Leben dort. Aber, das haben sie in Berlin erz├Ąhlt, die Reise in diese ph├Ąnomenale W├╝stenlandschaft hinaus, die Arbeit mit den Menschen dort, fernab von allem Trubel, der uns gew├Âhnlich umgibt, habe sie ├╝ber vieles nachdenken lassen. Und das h├Ątte ihnen gut getan. Eine der Qualit├Ąten von Andrucha Waddingtons Film ist es, uns ein gutes St├╝ck dieser Erfahrung, dieser ┬źsensation┬╗, wie man auf Franz├Âsisch so sch├Ân sagt, ganz direkt und beschaulich zu vermitteln.