The Woman in the Dunes - Suna no onna

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Leidenschaft und Eros im Sand
┬źEines Tages im August verschwand ein Mann. Er war mit der Bahn zu einem Ausflug an die K├╝ste aufgebrochen, kaum eine halbe Tagesreise entfernt, und seitdem fehlt jede Spur von ihm.┬╗ Die Textpassage stammt aus dem Roman ┬źDie Frau in den D├╝nen┬╗ des Japaners Kobo Abe. Das Buch wurde 1964 von Hiroshi Teshigahara kongenial verfilmt, ein in jeder Beziehung radikaler Film, der nichts von seiner Kraft eingeb├╝sst hat, im Gegenteil: Der Filmemacher Hiroshi Teshigahara f├╝hrt uns vor Aug und Ohr, welches Erz├Ąhlpotenzial in der Filmkunst steckt.
Im Roman lesen wir: ┬źEin Windstoss blies ihm das kleine Tuch vom Gesicht. Aus den Augenwinkeln sah er golden die Linien der D├╝nen gl├Ąnzen. Ein sanft ansteigender Hang l├Âste sich aus dem Gold und versank schnell in der Dunkelheit. In dieser Raumaufteilung lag eine seltsame Spannung, und er zitterte vor einer ihm selber unbegreiflichen Sehnsucht nach Menschen.┬╗ Der K├Ąfersammler aus Tokyo hat den letzten Bus zur├╝ck in die Stadt verpasst und wurde in die H├╝tte einer Frau gelockt, die unten in den D├╝nen wohnt. Er soll ihr helfen in ihrem allt├Ąglichen Kampf gegen die Sandmassen. Mit der Frau in den D├╝nen eingeschlossen f├╝gt er sich langsam seinem Schicksal und nimmt die in der Hitze anstrengende Sisyphus-Arbeit auf. Sie ist ein Sinnbild f├╝r viele unserer ganz allt├Ąglichen Besch├Ąftigungen.
"The Woman in the Dunes" ist einer jener Filme, die man so schnell nicht mehr vergisst. Die Beziehung mit der Frau und die Entdeckung einer M├Âglichkeit, Leben spendendes Wasser zu gewinnen, selbst in dieser W├╝ste, werden f├╝r den Mann wichtiger als das Wiedererlangen seiner vermeintlichen Freiheit. Zwischen den beiden entwickelt sich eine knisternde Spannung, die Hiroshi Teshigahara in hypnotisierenden Bildern und Montagen vermittelt. Grandios, wie er die Erz├Ąhlung aus sich heraus aufbricht, die Umgebung einbezieht und Landschaftselemente wie Figuren gleichermassen erotisiert, alles fliessen l├Ąsst, selbst den Sand. W├Ąhrend sich das Paar aus der ringenden Ber├╝hrung heraus n├Ąherkommt und in einem sandigen Rausch vereint, sehen wir auch, wie selbst ihre Poren sich weiten. Davor gerieten im Waschen des anderen K├Ârpers schon die perlenden Tropfen auf der Haut zu Anziehungspunkten, die den Puls stocken lassen. Oft gen├╝gt Teshigahara die Andeutung einer Geste oder der pr├Ązise Bildausschnitt, um eine Ahnung von der Begierde zu vermitteln, der Anziehungskraft.
Die Schwarzweissfotografie von Hiroshi Segawa geh├Ârt zum Grossartigsten, was wir im Kino je zu sehen bekamen: Sand, D├╝nen, Krabbeltiere, der menschliche K├Ârper, fragmentiert, aufgebrochen, neu zusammengef├╝gt in dieser Komposition, die Bild und Musik als gleichwertige Erz├Ąhlelemente behandelt. Details bis in den makroskopischen Bereich hinein erz├Ąhlen von einer Passion. Die fiebrigen Umarmungen, die Hingabe, der Kampf, der fliessende Sand, die Ausweglosigkeit, die Trance: Unm├Âglich, dass man beim Betrachten dieses Films nicht Sandk├Ârner zwischen den Lippen sp├╝rt und Durst bekommt. Durst nach etwas Fl├╝ssigem, Durst aber auch nach mehr Filmen, die uns ├╝bers Auge so in ihren Bann ziehen und nicht mehr loslassen.
Walter Ruggle

Festivals & Auszeichnungen

Zwei Oscar Nominationen
Cannes Filmfestival: Grosser Spezialpreis der Jury
Blue Ribbon Award
Nationale Filmkritik Best Director Best Film Kinema
Junpo Award Best Director Best Film
Mainichi Film Concours.
Japanische Filmpreise Best Art Direction Best Director Best Film Best Film Score

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Credits

Originaltitel
The Woman in the Dunes - Suna no onna
Titel
The Woman in the Dunes - Suna no onna
Regie
Hiroshi TESHIGAHARA
Land
Japan
Jahr
1964
Drehbuch
Kobo Abe
Montage
Fusako Shuzui
Musik
Toru Takemitsu
Kamera
Hiroshi Segawa
Ton
Ichiro Kato, Keizo Mori, Jyunosuke Okuyama
Ausstattung
Totetsu Hirakawa, Masao Yamazaki
Produktion
Kiichi Ichikawa, Tadashi Oono
Formate
35mm, DVD
L├Ąnge
147 Min.
Sprache
Japanisch/d
Schauspieler:innen
Eiji Okada, Kyoko Kishida, Hiroko Ito, Koji Mitsui, Sen Yano, Ginzo Sekiguchi, Kiyohiko Ichihara, Tamotsu Tamura, Hideo Kanze, Hiroyuki Nishimoto

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Pressestimmen

┬źMit einem Mal h├Ârten sie beide auf, sich zu bewegen. Es war wie auf einer Kino-Leinwand, wenn der Projektions-apparat ausfiel - eine gleichsam gefrorene Zeitspanne, die, falls nicht einer von ihnen aufh├Ârte, sich bis in die Unendlichkeit dehnen w├╝rde.┬╗ Liebesszene aus dem Roman von Kobo Abe ┬źIn ihren T├Ąlern, dort, wo der Wind nicht hingelangt, gl├╝ht der Sand besonders heiss. Sch├Ân ist das Sandgebirge, aber auch schrecklich. Davon erz├Ąhlt der japanische Schriftsteller Kobo Abe in seinem Roman Die Frau in den D├╝nen. Es ist die Geschichte eines Forschers, der sich ein Quartier in einem D├╝nental zu-weisen l├Ąsst, das f├╝r ihn und eine Frau zum Gef├Ąngnis wird. Das Los des Forschers zeigt, was das eigentlich Gef├Ąhrliche an der D├╝ne ist: der Wind, dem sie ihr bewegtes Wanderleben verdankt, vermag sie in Treibsand zu verwandeln, dem man nicht mehr entrinnt. ┬╗ Die Zeit Das ist eine der prickelndsten Liebesgeschichten der Filmkunst, ein unvergessliches Meisterwerk f├╝r Aug und Ohr, ein Film der K├Ârperlichkeit, der Leidenschaft, der Hingabe, der Erotik und des Aufgehens in einem Zustand, der sich einfach so ergeben hat. Wunderbar! Walter Ruggle