Goodbye South, Goodbye - Nanguo zaijian, nanguo

von Hsiao-hsien Hou, Taiwan, 1996
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Wie soll einer die Gegenwart filmen? Mit seinem zw├Âlften Spielfilm ┬źHaonan haonu┬╗ (Gute M├Ąnner, gute Frauen) hatte Hou Hsiao-Hsien nach ┬źStadt der Trauer┬╗ und ┬źDer Puppenspieler┬╗ seine historische Trilogie abgeschlossen, die der 1947 in Meixan auf dem chinesischen Festland geborene Filmemacher ├╝ber China gestaltet hat. Schon damals war er in der Gegenwart angelangt, aus der heraus er dann seinen Film ┬źGoodbye South, Goodbye┬╗ gestaltete. Im Sinn von Direktheit, die f├╝r den Meister nicht nur des taiwanesischen Kinos eine treibende Kraft darstellt. Hou fordert uns als Zuschauende zum aktiven Mit-Sehen heraus, seit seinen allerersten Arbeiten anfangs der 80er Jahre. Geschichten, sagt der Chinese, w├╝rden ihn langweilen. Momente sind das, was ihn interessiert. Vergleichbar mit einem Maler setzt er auf in sich ruhende Bilder, die den Zustand der Bewegung erst im Betrachten erlangen. Nicht umsonst ist die lange Einstellung eines von Hous Stilelementen, war die statische Kamera bislang seine bevorzugte Aufnahmeweise.
Kao ist 37-j├Ąhrig. Er sitzt im Zug nach Ping Chi, wo er an einem zehnt├Ągigen Spiel teilnehmen will. Der Vater stammt aus Schanghai - die Figuren in Hous Filmen widerspiegeln immer wieder die historisch bedingte Durchmischung der Bev├Âlkerung auf der Insel, die Tatsache, dass die Wurzeln der Familien oft anderswo sind. Kao mischt sich ├╝berall ein, ohne wirklich teilzunehmen. Die Familie seiner Freundin Ying stammt aus Seschuan und sie lebt mit ihrer kleinen Tochter und der verwitweten Mutter zusammen. Flat Head ist S├╝dtaiwanese - der S├╝den steht f├╝r ein w├Ąrmeres Klima -, und seine Freundin Pletzel arbeitet im Nachtclub; sie ist ein Relikt der X-Generation. Hsi schliesslich stammt aus Zentraltaiwan und war mit dem toten Bruder von Kao befreundet. Aus dem Leben dieser Gruppe junger oder jung gebliebener Menschen skizziert Hou Hsiao-Hsien Szenen, die er fragmentarisch zu einem Ganzen zusammenf├╝gt. Da gibt es weniger eine Handlung als eine Bewegung, und die Bewegung ist die der st├Ąndigen Flucht. Hou setzt auf einen beobachtenden Realismus, arbeitet in langen Einstellungen, die selbst die Abwesenheit von Aktion dokumentieren. Denn viel passiert in seinem Film nicht. Aber just diesen Stillstand in der Bewegung hat er in Zelluloid gebrannt. Die Figuren sind zwar unterwegs, aber sie kommen nicht an. Die H├Ąrte, ja Brutalit├Ąt im geldgetriebenen Alltag der sp├Ąten neunziger Jahre sind zumeist indirekt sichtbar, die Menschen sind Getriebene, die oft genug nicht Herr der Lage sein k├Ânnen. ┬źGoodbye South, Goodbye┬╗ ist ein konsequent befremdlich gestalteter Film aus einer Zeit und einer Welt, in der man mit dem Handy Verbindung zum anderen aufnimmt und sich eine der Figuren alles sagend fragt: ┬źWie kann ich ├╝ber die Zukunft reden?┬╗
Walter Ruggle

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Credits

OriginaltitelGoodbye South, Goodbye - Nanguo zaijian, nanguo
TitelGoodbye South, Goodbye - Nanguo zaijian, nanguo
RegieHsiao-hsien Hou
LandTaiwan
Jahr1996
DrehbuchChu Tien-wen
MontageLiao Ching-song
MusikLim Giong
KameraLee Ping-bin, Chen Hwai-en
TonDu Du-che
Kost├╝meKuo kuo, Chiu Yun-ru
AusstattungHwarng Wern-ying
Produktion3H Films, Taipeh
Formate35mm, DVD
L├Ąnge113 Min.
SpracheMandarin/d/f
Schauspieler:innenJack Kao, Hsu Kuei-ying, Lim Giong, Anne Shizuka Inoh, Hsi Hsiang, Lien Pi-tung, Kao Ming, Vicky Wei

Credits

OriginaltitelGoodbye South, Goodbye - Nanguo zaijian, nanguo
TitelGoodbye South, Goodbye - Nanguo zaijian, nanguo
RegieHsiao-hsien Hou
LandTaiwan
Jahr1996
DrehbuchChu Tien-wen
MontageLiao Ching-song
MusikLim Giong
KameraLee Ping-bin, Chen Hwai-en
TonDu Du-che
Kost├╝meKuo kuo, Chiu Yun-ru
AusstattungHwarng Wern-ying
Produktion3H Films, Taipeh
Formate35mm, DVD
L├Ąnge113 Min.
SpracheMandarin/d/f
Schauspieler:innenJack Kao, Hsu Kuei-ying, Lim Giong, Anne Shizuka Inoh, Hsi Hsiang, Lien Pi-tung, Kao Ming, Vicky Wei

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Pressestimmen

Der gr├Âsste und k├╝hnste Filmautor Taiwans setzt der Wortlosigkeit unserer Zeit unglaublich starke

Bilder, Farben und T├Âne entgegen. Das unwegsame Chaos meistert er mit der Ruhe seines Stils, leise

melancholisch und mit liebevoller Ironie. Hou Hsiao-hsien h├Ąlt nichts von blosser Illustration

und konformem Plot: Sein Film ist vom ersten bis zum letzten Bild eine Vision, von

vibrierender Intensit├Ąt und verst├Ârender Sch├Ânheit.

"Goodbye South, Goodbye handelt von Menschen, die dauernd zu neuen Ufern aufbrechen, nirgends

ankommen und sich schier schon aus Verzweiflung lieben, handelt vom Abtriften nicht nur einer

Generation, sondern der Moderne schlechthin. Auch dies macht Goodbye South, Goodbye einzigartig, auf

Jahre hinaus. Heiter und gelassen, aber mit scharfem Blick betrachtet Hou Hsiao-hsien die Verw├╝stungen

unserer der Geschwindigkeit und Technologie verschriebenen modernen Welt. Goodbye South,

Goodbye klagt nicht und verdammt niemanden. Doch angesichts dieser verr├╝ckten Welt fragt der Film

beunruhigt nach einer Alternative. Und sammelt unentwegt die kleinen K├Âstlichkeiten des Alltags."

Les Inrockuptibles

"Ein Diamant aus Taiwan: Fast ununterbrochen an ihrem Handy h├Ąngend, drehen sich diese grotesken

Helden, diese liebenswerten Tunichtgute im Kreis. In ihrer Welt ereignet sich nichts, da alles in

Reichweite ist. Sie k├Ânnen noch so cool durch die buntbelichterte Stadt fahren, noch so ausgelassen

durch die Landschaft brausen, was bleibt, ist eine tiefe Melancholie. Lange noch werden uns ihre

Spuren in Erinnerung bleiben."

Beaux Arts

"Wir verlieren unsere Wurzeln; das kann ich nicht verhindern, aber ich kritisiere es."

Hou Hsiao-hsien

"Hou Hsiao-hsien repr├Ąsentiert die Spitze des modernen Kinos. Entsprechend stellt er universelle

Fragen: Wie sollen wir diese Erde bewohnen, wie zusammenleben? Bei diesem Cineasten, der eine

Aufnahme definiert als ┬źeine lebendige Person, die geboren wird, w├Ąchst, reifer wird, altert und

erl├Âscht┬╗, erstaunt es nicht, in jedem seiner Filme die ganze Menschheit zu finden."

Le Monde

"K├╝hnheit und Gr├Âsse dieses Films ist es, den effekthaschenden Seichtigkeiten den R├╝cken zu

kehren. Betroffen verl├Ąsst man das Kino, eine neue Welt vor Augen."

Technikart

"Meinen ┬źHelden┬╗ f├Ąllt es schwer, in Taiwan zu leben, gleichzeitig h├Ąngen sie jedoch unbewusst an

diesem Land. Sie hegen eine Hassliebe zu ihrer Heimat, wie ich ├╝brigens auch."

Hou Hsiao-hsien

"Das Wesentliche liegt nicht in der Handlung, sondern in der spr├╝henden Sch├Ânheit der Bilder, in

der Poesie der toten Stunden, in herrlichen Impressionen voller Intensit├Ąt. Ein ├Ąusserst

seltenes Talent: das eines Genies."

Le Parisien

"Als grosser Bewunderer der Sch├Ânheit,die der Bewegung innewohnt, l├Ąsst Hou Hsiao-hsien sie

immer wieder in seinen Film einfliessen und gibt ihm dadurch die Anmut eines nat├╝rlichen Balletts.

Es ist einem ums Weinen zumute, aus Melancholie und Freude, und genau dieses bitters├╝sse

Lebensgef├╝hl ist charakteristisch f├╝r Hous grossartige Filmwelt."

Lib├ęration

"Hou Hsiao-hsien l├Ąsst seine Antihelden am Ende

mit ihrem Wagen festsitzen, von der Ironie des

Schicksals in die Enge getrieben. (...) Er ist

einer der wenigen, der mit jedem Film den Eindruck

erweckt, das Kino neu erfunden zu haben. Sein

neuer Film ist ein Juwel. Abstrakt in seiner

einzigartigen Darstellung der urbanen Nacht. Aber

man kann Goodbye South, Goodbye auch einfacher

empfehlen: es gen├╝gt, sich von ihm buchst├Ąblich

forttragen zu lassen."

T├ęl├ęrama

"Die kleinen Gauner meines Films sind zu einer

Flucht nach vorn verdammt. Wenn sie anhalten oder

sich umdrehen, bedeutet es das Ende..."

Hou Hsiao-hsien