Sibaji

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Kwon-taek Ims Filme erinnern in ihrer Schlichtheit und der Zuwendung auf unterdr├╝ckte Frauen an den Japaner Kenij Mizoguchi. Der Koreaner winkt, auf einen Einfluss angesprochen, rasch ab. Europ├Ąische Filmkritiker w├╝rden ihn immer wieder auf seine Beziehung zu Mizoguchi ansprechen, aber er habe vor drei Jahren bei einer Reise nach Japan zum ersten Mal einen Film des Japaners gesehen. "Ich weilte in Tokio und wollte mir endlich einmal zeigen lassen, was jener Mann, von dem ich beeinflusst sein soll, gedreht hat." Mizoguchi mag also bestenfalls als Verweis dienen. Lange Jahre hat Kwon-taek Im um seinen Status als unabh├Ąngiger Filmemacher k├Ąmpfen m├╝ssen und dabei auch manch eine Produktion ├╝bernommen, zu der er im Nachhinein nicht mehr voll stehen will. Im Verlauf der achtziger Jahre, das heisst nach der Diktatur Park Chung-Li's, entwickelte er sich dank der gewonnenen Freiheit zu einem wirklich eigenst├Ąndigen Autor: Er kann einen Film wie "Sibaji" mit einem Thema, das ihm selber wichtig erscheint, so gestalten, wie er es will.
Was interessierte ihn dann an dieser Geschichte aus der Vergangenheit? "Es ging mir darum, die M├Ąnnergesellschaft anhand der Leihmutterschaft vor Augen zu f├╝hren, denn diese Einrichtung existierte ja bloss, um einen m├Ąnnlichen Erbfolger zu sichern." Hauptgrund daf├╝r, so Kwon-taek Im, sei der ausgesprochen wichtige Ahnenkult in Korea, der ein Ritual vorsehe, das nur von S├Âhnen ausge├╝bt werden kann. Sie m├╝ssten den Eltern helfen, sich im Jenseits wohl zu f├╝hlen. "F├╝r die Eltern bedeutet dies, dass ihr seelisches Wohlbefinden nach dem Tod von einem Sohn abh├Ąngig ist. Auch wenn die Zeit der Leihmutterschafft heute vor├╝ber ist, so bleibt der Kerngedanke aktuell", und der ist Ausdruck einer m├Ąnnlich ausgerichteten Gesellschaft. Mit seinem Film wollte er die Probleme der Frauen zeigen und ├╝ber sie die gesellschaftlichen Strukturen hinterfragen. Es gebe in Korea heute zwar viele Str├Âmungen, die sich f├╝r die Demokratie aussprechen w├╝rden, aber "um eine wirkliche Demokratie zu schaffen, muss man erst einmal die Frau von der Familie befreien." Andererseits nimmt er ├╝ber die Filme auch eine r├╝ckw├Ąrts gewandte Aufgabe wahr. "Ich denke, unser Kino hat eine Verantwortung, in den Jahren von Kriegswirren und Besatzung verlorengegangene Wurzeln wiederzufinden." "Bodhi Dharma", ein anderer koreanischer Film, hat in der Schweiz einen ├╝berw├Ąltigenden Erfolg gefeiert. Mich nahm es wunder, ob jene Exotik, die viele hier in Filme aus L├Ąndern wie Korea lockt, auch umgekehrt f├╝r Koreaner in Bezug auf den europ├Ąischen Film existiert. Kwon-taek Im weicht aus; er findet kaum Zeit, ins Kino zu gehen, zu sehr sei er selber mit Filmemachen besch├Ąftigt.
Walter Ruggle

Festivals & Auszeichnungen

Venice Film Festival
Best Actress
Asia-Pacific Film Festival
Best Director, Best Film, Best Supporting Actress
Faro Island Film Festival
Best Actress
Korean Association of Film Critics Awards
Best Cinematography
Nantes Three Continents Festival
Best Actress, Best Costume Design, Best Production Design

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Credits

Originaltitel
Sibaji
Titel
Sibaji
Regie
Kwon-taek Im
Land
S├╝dkorea
Jahr
1987
Drehbuch
Im Kwon-taek
Montage
Sun-duk Park
Musik
Byung-ha Shin
Kamera
Joong-mo Goo
Produktion
Do-hwan Jeong
Formate
35mm
L├Ąnge
94 Min.
Sprache
Koreanisch/d/f
Schauspieler:innen
Soo-yeon Kang, Goo-soon Lee, Eun-jin Han, Hee Bang, Yang-ha Yoon

Pro Material

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Vorf├╝hrdatum Vorf├╝hrung
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Pressestimmen

┬źIm Kwon-taek erz├Ąhlt analytisch wie eh und je. Das Melodrama, das in dieser Geschichte steckt, wird ganz Struktur der Beobachtung. Die Kamera wie der Film erfassen pr├Ązise, beziehen aber nicht Stellung. Nicht weil die Stellung zum Geschehen nicht klar w├Ąre und klar sein muss, sondern gerade, weil sie es ist.┬╗

Ekkehard Kn├Ârer, jump-cut

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Im Kwon-taek:

┬źIch wollte versuchen, Geschichte zu vergegenw├Ąrtigen, um so Situationen und Entwicklungen in der koreanischen Gegenwart besser analysieren zu k├Ânnen. Sibaji ist ein Film, der sich mit den konventionellen Glaubensformen der Koreaner auseinander setzt. Es geht konkret um die Bevorzugung der S├Âhne - eine Haltung, die mit dem Ahnenkult und seiner Tradition eng zusammenh├Ąngt.┬╗